Schöne Heimat

  • Callwey
  • Erschienen: April 2022
Schöne Heimat
Schöne Heimat
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      Carola Krauße-Reim
      3

      Kochbuch-Couch Rezension vonMai 2022

      Praktikabilität

      Die Rezepte dürften, bis auf wenige, auch für wenig geübte Köche zu bewältigen

      Ausstattung

      Die vielfältigen Rezepte sind übersichtlich und mit Fotos anschaulich präsentiert. Die Erklärung zu einigen Ost-Gemüse und Wildkräuterpflanzen mit schönen Zeichnungen versehen.

      Wenig Neues

      Kit Schulte wuchs in den 70er Jahren im westfälischen Arnsberg auf. Für sie bestanden die täglichen Gerichte aus Fleisch, Kartoffeln und gekochtem Gemüse. Die Zutaten kamen als Fertigprodukt aus der Gefriertruhe oder als vollständige Mahlzeit aus der Konserve. Nach längeren und immer wieder kehrenden Aufenthalten in den Vereinigten Staaten kamen andere kulinarische Erkenntnisse hinzu, die ihren Horizont erweiterten.

      Der Ton macht die Musik

      Das vorliegende Kochbuch erschien bereits 2021 in englischer Sprache, was schon das ursprüngliche Zielpublikum der Autorin verrät, die in Berlin „ein Business“ gegründet hat, das englischsprachigen Touristen in einer „Kombination aus Markttour, Kochkurs und Lunch“ die neue deutsche Küche näherbringen soll. Die traditionelle Küche bedeutet für die Autorin jedoch scheinbar ausschließlich deftige, fleischlastige Gerichte mit Kartoffeln und, wie sie immer wieder betont, zerkochtem Gemüse.

      Der sehr belehrende Grundton, der sich durch das ganze Buch zieht, hat mich noch vor der Lektüre des Vorwortes abgeschreckt. Denn gleich nach der Inhaltsangabe ist zu lesen: „In diesem Buch findest Du“ („den Ansatz traditionellen Gerichten eine frische und  moderne Note zu verleihen, vegane und vegetarische  Alternativen zu traditionellen Rezepten“); „In diesem Buch findest Du nicht“ („überwiegend fleischlastige Gerichte mit vorverpackten industriellen Lebensmitteln“) und „Neue Regeln“ („Verzicht von Fleisch- und Milchprodukte in traditionellen Rezepten, Fokus auf feldfrische biologische oder naturbelassene regionale und saisonale Produkte“).

      Im Kapitel „Wie ich zum Foodie wurde“ erläutert Schulte dann ausgiebig, mit welchen Lebensmitteln sie aufwuchs und noch ausführlicher ihren Lebenslauf bis hin zu ihrem Berliner „Business“, wobei sie sich, ebenso im Laufe des weiteren Buches, des Öfteren selber widerspricht. Das ist alles legitim, jedoch hat mich die scheinbar allgemeingültige Annahme gestört, dass man in Deutschland in allen Haushalten so gegessen hat. Mitnichten! In meiner Kindheit kamen weder bei uns noch in den Familien meiner zahlreichen Freundinnen und Freunde Fertiggerichte oder Conveniencefood auf den Tisch. Jeder hatte einen Gemüsegarten, dessen Gemüse bei uns übrigens NIE zerkocht war und Fleisch gab es ausschließlich am Sonntag. So dürfte der Untertitel des Kochbuches, „Traditionelle Küche wiederentdeckt und neu interpretiert“, in Schultes Fall vielleicht zutreffen, für mich jedoch sind die „neu interpretierten“ Rezepte Altbekannte und bieten daher, zumindest für mich kaum Neues.

      Rezepte aus der deutschen Küche

      Schulte erläutert das Typische an den diversen deutschen Küchen, denn Süd- Nord- Mittel- und Ostdeutschland haben, wie auch die Berliner Küche, ganz unterschiedliche Spezialitäten. Danach präsentiert sie Rezepte aus allen Bereichen, wie z.B. der „Brotzeit“, „Suppen“, „Salat“, „Nachtisch“ oder „Kaffee & Kuchen“. „Eine kleine Auswahl für Flexitarier“ bietet Rezepte für Fleisch – oder Fischgerichte und „Wildes“ eine große Auswahl an Rezepten mit Wildpflanzen. „Salz und Pfeffer“ bekommen ein extra Kapitel, genauso wie „Der vergessene Geschmack“, in dem sie „hausgemachte Delikatessen“, wie „Rumtopf“, „Soleier“ und „Kräutersalz“ vorstellt.

      Zum Abschluss des Buches werden, sehr anschaulich mit Zeichnungen bebildert, verschiedene Obst- und Gemüsesorten sowie Wildkräuter, wie z.B. Spinat, Himbeere, Pfirsich, Apfel oder Blumenkohl und Bärlauch, Spitzwegerich oder Borretsch der unwissenden Leserschaft vorgestellt.

      Die einzelnen Gerichte sind meist, aber nicht immer, mit schönen bunten Fotografien versehen und enthalten gegebenenfalls Hinweis auf eine vegane oder vegetarische Zubereitung. Die Zutatenliste ist eindeutig und bietet oft auch noch Alternativen an; die Anleitung wird in durchnummerierten Schritten gezeigt.

      Erinnerungen an die Kindheit werden wach

      Wer nicht, wie die Autorin, mit Fertigprodukten aufwuchs, dürfte sehr viele alte Bekannte wiedertreffen. „Frankfurter Grüne Sauce“, „Kräuterquark“, Forelle Müllerin-Art mit Kartoffeln und Gurkensalat“ oder der „Getränkte Zitronenkuchen“ erinnerten mich an Mahlzeiten in meiner Kindheit. Überhaupt konnte ich kaum unbekannte Gerichte entdecken (die Süßigkeit „Bremer Kaffeebohnen“ war so eins) und die angekündigte Neuinterpretation ebenfalls nicht.

      Fazit

      „Schöne Heimat“ dürfte für alle, die mit frisch zubereitetem Essen aufgewachsen sind, kaum Neues oder neu Interpretiertes bieten, jedoch so manche Erinnerung an Gerichte aus Kindheit und Jugend wecken. Für alle anderen hält das großformatige und sehr schön gestaltete Kochbuch viele Rezepte bereit, die saisonal, frisch und abwechslungsreich sind.

      Schöne Heimat

      , Callwey

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