ONE

  • Dorling Kindersley
  • Erschienen: September 2022
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Carola Krauße-Reim
4

Kochbuch-Couch Rezension vonOkt 2022

Praktikabilität

Oft werden Tiefkühl- oder Dosenzutaten gebraucht. Kochanfänger sollten zumindest ein bisschen Erfahrung im Würzen mitbringen, wobei niemand vor dem ausgiebigen Nachwürzen gefeit sein dürfte. Der teilweise lange Einsatz des Backofens lässt die Zubereitung in lediglich einem Topf in Frage stellen.

Ausstattung

Ein tolles Layout und schöne Fotos begleiten jedes Rezept. Die Auswahl ist sehr vielseitig und dürfte keine Wünsche offen lassen.

Und noch ein Kochbuch von Jamie Oliver

Jamie Oliver ist ein weltweit bekanntes Urgestein der Kochszene. Jetzt hat er seinen zahlreichen Kochbüchern noch eines hinzugefügt, dessen Rezepte abwechslungsreich sein sollen, wenig Aufwand benötigen und nur mit einem Topf auskommen. Außerdem soll man alle Zutaten problemlos im Supermarkt erhalten können; die Mahlzeiten sollen günstig, gesund und dennoch abwechslungsreich sein. Das klingt schon einmal vielversprechend und sehr gut: Schnelle, gesunde Alltagsküche mit wenig Abwasch. Ob Oliver sein Versprechen hält, haben wir getestet.

Auf den ersten Blick - ein tolles Buch

Schon beim ersten Durchblättern fällt das ansprechende Layout der Rezepte auf. Die Zutaten sind nicht nur gelistet, sondern in kleinen Bildern nach Reihenfolge des Gebrauchs untereinander abgebildet – eine schöne und nützliche Idee, sieht man doch auf den ersten Blick, was benötigt wird. Ob man einen Schmortopf, eine Pfanne oder eine ofenfeste Form braucht, ist zudem auch bei jedem Rezept gut sichtbar angegeben, ebenso eine Nährwerttabelle. Die Zubereitung ist in einem Fließtext verfasst und, wie von Jamie Oliver gewohnt, mit exakten kurzen Anweisungen versehen. Das ist alles schon sehr ansprechend aufgearbeitet, doch das tolle sind die gekonnt in Szene gesetzten Bilder, die wirklich Lust machen, das Rezept auszuprobieren. Zu Ausstattung und Zutaten gibt Oliver eingangs Auskunft und dann noch einmal am Ende des Buches, was ich zusammengefasst besser gefunden hätte. “Ein Wort von Jamies Ernährungsteam“ im Anhang ist dann die Aufklärung über gesundes Essen und „reichlich Wasser trinken“. Das macht in einem Kochbuch weniger Sinn, vor allem, wenn die Rezepte nicht unbedingt mit der angesprochenen „ausgewogenen Ernährung“ mithalten können.

Unsere Testgerichte

Die Fotos der Gerichte waren so appetitanregend, dass wir uns kaum entscheiden konnten und am liebsten alles ausprobiert hätten. Entschieden haben wir uns dann für „Teriyaki-Garnelen“, „Hackbällchen mit Madras-Curry“, „Pappardelle mit Wurst“, „Krasse Cannelloni“, „Harissa-Hähnchen-Teller“ und aus der Abteilung „Nachtisch und Gebäck“ den „Honig-Orangen-Blechkuchen“. Man sieht, Oliver hat alle Genuss-Bereiche gut abgedeckt, denn er gibt auch noch etliche Rezepte zu Burgern, Eiern und Gemüse zum Guten.

Die Zutaten dürften wirklich meistens einfach zu erhalten sein, was uns allerdings auffiel, ist die Verwendung von reichlich Tiefgefrorenem und Dosengemüse, was nicht mit den, von Jamie Oliver immer wieder propagierten frischen saisonalen Zutaten kompatibel ist. Auch wird sehr oft der Backofen gebraucht, was wenig energieeffizient ist und man sich z.B. bei den Cannelloni fragen muss, ob vielleicht ein Topf mehr auf dem Herd energiesparender gewesen wäre als 20 Minuten bei 200°C. Überhaupt hat man manchmal das Gefühl, dass hier krampfhaft alles in einen Topf gegart wurde, was vielleicht in mehr als einer Beziehung nicht immer so sinnvoll ist. Jedenfalls waren unsere Hackbällchen mit Madras-Curry“, knochentrocken und ganz bröselig, als dann endlich der beigefügte Reis gar war. Die „Krasse[n] Cannelloni“ dagegen haben gar nicht alle in unseren Schmortopf gepasst, da sie nebeneinander liegen müssen und heraus kam auch kein krass-krosser Leckerbissen, denn alles schwamm in zu viel Flüssigkeit und in viel zu wenig Käse. Und der Orangenkuchen brauchte dann eigentlich mehr als einen Topf, denn angerührt wurde er nicht in der ofenfesten Form.

Kleine Mankos können den Genuss ganz schön schmälern

Jamie Oliver hat es tatsächlich geschafft, viele Rezepte ohne Fleisch oder mit einer „Go-Veggie“-Alternative zu kreieren. Doch sein Versprechen, dass auch „absolute Anfänger“ bei vielen Gerichten zurechtkommen sollten, kann er nur schwerlich einhalten. Wenn er z.B. ganz lapidar „sorgfältig abschmecken“ angibt, kann das für einen Neuling eine ganz schöne Herausforderung sein. Überhaupt hat uns bei allen gekochten Gerichten der Geschmack gefehlt. Nachwürzen im großen Stil war also immer angesagt. Selbst den Kuchen mussten wir mit Ahornsirup nachsüßen, denn nur mit dem bisschen angegebenen Honig war er leider kein Genuss.

Fazit

Optisch ein Augenschmaus – vom tollen Layout bis zu den stimmungsvollen Fotos passt alles. Jedoch überzeugen nicht alle Gerichte durch ihre Zutaten oder den Energieverbrauch und schon gar nicht durch ihren Geschmack. Doch Nachwürzen geht immer und die Vielfältigkeit der Eintopfgerichte überzeugt dann doch.

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