Nanny Oggs Kochbuch

  • Goldmann
  • Erschienen: Januar 2005
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  • ISBN: 978-3-442-46081-6
  • 176 Seiten.
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Chris Langmandel
551

Kochbuch-Couch Rezension vonMai 2005

Praktikabilität

Auch wenn Nanny Ogg über andere Mittel verfügt, ist es denen, die der Hexerei nicht mächtig sind, möglich, alles nachzukochen. Unglaublich unterhaltsam geschrieben, da stört es nicht, dass die Kochanleitungen manchmal etwas chaotisch geraten sind. Zum Glück wurde ja alles umgerechnet und der Blähfisch sogar ausgetauscht.

Ausstattung

Schlichtweg großartig illustriert und liebevoll gestaltet.

Ein liebevoll gemachtes Buch für Insider

Immer, wenn ein Buch erscheint, das per se nichts mit einer bestimmten Sache zu tun hat, wird man misstrauisch. Insbesondere, wenn sich der Erschaffer der Welt hier mit Stephen Briggs und Tina Hannan zwei zusätzliche Autoren mit ins Boot holt. Die einen werden sagen, es ginge nur ums Geldmachen, die anderen behaupten, dass hier endlich lange unerfüllte Fanwünsche bedient werden. Schauen wir doch mal, wie sich das im Fall des Scheibenwelt-Kochbuches verhält. Eines aber muss vorweg gesagt werden: Dieses Buch ist nichts für jemanden, der bisher nicht wusste, wer Terry Pratchett oder seine Scheibenwelt sind.

Kochen ist (die beste) Nebensache (der Scheibenwelt)

Überraschend für ein Kochbuch geht es hier eigentlich eher um die Scheibenwelt im Allgemeinen, ihre Bewohner, Etikette und einiges anderes. Kochen bildet dafür einen passenden und stimmungsvollen Rahmen und so ist es nach dem Lesen der ersten Seiten auch schon völlig egal, dass hier keine haute cuisine oder die neusten Kreationen aus der Sterneküche auf den Leser warten.

Das Buch beginnt mit einem Vorwort der Autorin - Nanny Ogg - welche dem Pratchett vertrauten Leser durchaus bekannt vorkommen sollte aus Romanen wie Wyrd Sisters (dt. Macbest) oder Witches Abroad (dt. Total Verhext). Gleich zu Beginn merkt sie an, dass die Zeiten sich geändert haben, junge Mädchen sich viel zu wenig darum kümmerten, kochen zu lernen und Manieren ohnehin anscheinend ein Auslaufmodell seien. Da sie dies aber so nicht hinnehmen könne und Kochen darüber hinaus ein geradezu zentraler Aspekt des Lebens sei, sehe sie sich gezwungen, dieses Buch zu schreiben (bereits zu Anfang wird angemerkt, dass zwei weitere ihrer Bücher mit ganz ähnlichen Themen bereits aus dem Verkehr gezogen wurden). Umso erstaunlicher, dass ihr Kochbuch es bis in unsere Buchhandlungen geschafft hat, denn auch hier haben Verleger und Lektor an verschiedenen - allzu pikanten - Stellen zugeschlagen und bestimmte Bereiche des Buches mit ihren, zugegebenermaßen äußerst komischen, Notizzetteln überklebt.

Des Weiteren wird der Leser informiert, dass die äußerst ungenauen Hexenangaben zu verwendeten Mengen (ungefähr, bisschen, eine Weile) in präzise, hiesigen Köchen bekannte Angaben umgewandelt wurden - Gott sei Dank. Auch die bisweilen etwas exotischen Ingredenzien wie Blähfisch und Ratte wurden adäquat ersetzt, was uns direkt zu den Rezepten führt.

Die vorgestellten Rezepte entspringen größtenteils der englischen Küche. Wer also ein Herz für Porridge und Konsorten hat, kann hier mit großer Wonne kochen. Auch Currys, Bananensuppe, verschiedene Pasteten und ein ganzer Haufen Nachspeisen laden zum Nachkochen ein. Hat man sich erst einmal für ein Gericht entschieden, muss man darauf achten, dass das eigentliche Kochen nicht vor lauter Gelächter in Vergessenheit gerät, denn die Beschreibungen und Anleitungen zu den Rezepten sind wirklich zum Schießen. Nanny Ogg hat zu jedem ihrer kulinarischen Höhepunkte eine Geschichte parat und so reihen sich hier witzige Anekdoten an noch witzigere Anmerkungen, um in aberwitzigen Geschichtchen zu kumulieren. Bestes Beispiel hierfür sind die Rezepte aus dem Zwergenkapitel oder die Anleitung zu "Absolut Bekloppter Johnsons Obsttortelette". Dieses "Törtchen" nämlich ist für die Bewohner einer ganzen Kleinstadt gedacht und erfordert in der Zubereitung dementsprechend 30.000 Pfund Mehl, 15.000 Pfund Butter, 30 Tonnen Backäpfel etc...

Nun könnte man sicher kritisieren, dass das mit ernst gemeintem Kochen nichts mehr zu tun hat - was auch stimmt, hier aber ´nen Toten interessiert. Womit die Überleitung zu Gevatter Tod gemacht wäre, der eine der beliebtesten Figuren im Scheibenwelt-Universum ist. Die gesamte zweite Hälfte des Buches befasst sich nämlich mit dem großen und - nach Nanny Ogg - extrem wichtigen Thema Etikette. Wie verhalte ich mich bei einem Leichenschmaus, wie isst man Nudeln, Kirschen, Erbsen oder Kaviar richtig und wer übernimmt eigentlich welche Rolle bei einer Hochzeit? Das sind nur einige der aufgeworfenen Fragen. Der Leser erfährt darüber hinaus auch vieles über den Umgang mit Kobolden, Trollen und sogar Untoten! Fast selbstverständlich, dass auch dies unglaublich komisch und mit viel Liebe zum Detail erläutert wird.

Ein besonderes Lob verdienen auch die Illustrationen von Paul Kidby, der es wirklich geschafft hat, vielen Dingen ein Gesicht zu verleihen, die besser keines gehabt hätten - hüten sie sich vor Seite 78 - keine Ahnung, wie das dem Verleger durchgehen konnte.... Aufgrund der hervorragenden Illustration stört es auch gar nicht, dass nicht jedes Rezept bebildert wurde, denn die vorhandenen Abbildungen sind so gut, dass sie leicht hierüber hinwegtrösten.

Fazit:

Das Fazit ist einfach: Sie mögen die Scheibenwelt? Wieso sind sie dann noch nicht längst in der Buchhandlung und bedrängen den Kassierer, endlich abzurechnen? Für alle Terry Pratchett Fans ist dieses Buch ein Muss, allen anderen sei angeraten, nicht mit diesem Kochbuch in die Scheibenwelt einzusteigen, es sich aber nach dem Einstig schnellstmöglich zu besorgen.

Nanny Oggs Kochbuch

Terry Pratchett, Goldmann

Nanny Oggs Kochbuch

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