La Vita è Dolce

  • Dorling Kindersley
  • Erschienen: Juni 2021
 La Vita è Dolce
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Carola Krauße-Reim
4

Kochbuch-Couch Rezension vonJul 2022

Praktikabilität

Viele Rezepte dürften für Anfänger und auch für manchen Fortgeschrittenen zu kompliziert und zeitaufwendig sein. Außerdem scheinen manche weniger authentisch und sehr dem Geschmack der Autorin angepasst zu sein.

Ausstattung

Wunderschön aufgemachtes Buch, das in den sonnigen Süden entführt. Die Rezepte werden durch weitere themenbezogene Kapitel ergänzt

Nicht durchgängig überzeugend

Schon mit ihrem ersten Kochbuch „Isola Sarda“ hat uns Letitia Clark kulinarisch in ihre Wahlheimat Sardinien entführt. Mit „La Vita È Dolce“ konzentriert sich die bekennende Naschkatze nun ganz auf die italienischen Nachspeisen, wobei die „Dolci“ der italienischen „Pasticceria“ für viele Rezepte nur als Inspiration gedient haben, um dann nach eigenem Geschmack abgewandelt zu werden. Überhaupt ist es für die Autorin wichtig, dass Backen nicht als unabänderliche Wissenschaft angesehen wird, „Backen kein angeborenes Talent“ benötigt, sondern einfach nur den Willen etwas Köstliches zu zaubern.

Der wunderschöne Einband verspricht viel

Das Buch spricht fast alle Sinne an: der Einband ist wunderschön reliefiert aufgearbeitet; die Seiten sind in unterschiedlichen warmen Farben gehalten; Fotos und liebevolle Illustrationen entführen nach Bella Italia und die Rezepte versprechen wahre Genussexplosionen. Doch gleich beim ersten Durchblättern fällt auf, dass man schon im Konditorenhandwerk versiert oder zumindest extrem ambitioniert sein müsste, um alle Rezepte verwirklichen zu können. So waren für mich die Marzipanfrüchte, die barocke Cassata und auch die aufwendig verzierten Capigliette, deren Rezept, wie übrigens etliche andere auch, über mehrere Seiten geht, aus dem Rennen.

Zudem fällt das Kapitel „Gelato“ schon fast aus, wenn man keine Eismaschine besitzt. In diesem Fall bleiben nur die wenigen Granitas oder die sehr zeitaufwendige Zubereitung ohne Maschine, welche aber auch nicht bei jedem Eis funktioniert. Einige Rezepte benötigen frische Früchte und disqualifizieren sich dadurch auch fast schon in unseren Breitengraden, denn die sonnige Süße der italienischen Früchte dürfte bei uns nur sehr selten erreicht werden.

Dennoch findet bestimmt jeder in den Kapiteln „Kekse“, „Tartes & Torten“, „Rührkuchen & Biskuit“, „Desserts zum Löffeln“, „Hefegebäck & Frittiertes“ und „Gelato“ etwas Köstliches, das la vita dolce macht. Und wer ein süßes Geschenk sucht, kann im gleichnamigen Kapitel fündig werden.

Viele Geschichten und über 80 Desserts

Es ist immer schön zu erfahren, was die Autoren zu ihren Kochbüchern inspiriert hat. Das bringt Letitia Clark schon im Vorwort zum Ausdruck und wiederholt es dann in unzähligen kleinen Kapiteln der Einleitung und oftmals auch noch zu Beginn eines Rezeptes. Hier wäre etwas weniger persönliches Statement einem Kochbuch angemessener gewesen. Die Rezepte selbst erhalten eingangs dann auch eine meist sehr ausführliche Einleitung, bevor eine manchmal sehr lange Zutatenliste mit dazugehöriger Anleitung in Fließtext kommt. Die Zutaten sind übersichtlich gelistet und dürften in jedem Supermarkt zu erhalten sein. Die durchgestylten Fotos machen dann wirklich Appetit und zeigen einen Endzustand, den man als ideal bezeichnen könnte. Leider haben wir diesen nicht immer erreicht.

Wir haben uns ans Werk gemacht

Wir haben uns von den „Anmerkungen zu ausgewählten Zutaten“ und der ziemlich langen Liste der „wesentlichen“ und „optionalen Ausstattung“ nicht abhalten lassen und uns ins süße Leben gestürzt, das heißt – erst einmal in die Zubereitung. Als große Kaffeeliebhaber haben wir uns für „Cappuccino-Pannacotta mit Espressokaramell“ und „Mokka-Ricotta-Mousse“ entschieden, bevor wir uns an den „Gestürzten Aprikosen-Mandel-Kuchen mit Orangenwasser“ und „Yossys Rosmarin-Joghurt-Kuchen mit Olivenöl“ gemacht haben, der noch vom „wahren Apfelkuchen“ gefolgt wurde.

Die beiden Kaffee-Nachspeisen waren relativ schnell zubereitet, wobei der Kaffeegeschmack sehr dezent war, obwohl wir schon mehr genommen hatten als angegeben. Dass die Autorin sehr gerne mit Karamell arbeitet, haben wir spätestens nach der Zubereitung des „Gestürzten Aprikosen-Mandel-Kuchen mit Orangenwasser“ gemerkt, für den erst einmal eine gehörige Portion Sahnekaramell zubereitet werden muss. Das hat seine Tücken, denn kaum vom Herd genommen, wird die Masse SEHR schnell hart und kann kaum in die Kuchenform eingebracht werden. Dafür wird sie beim Backen dann wieder flüssig, sickert auf Nimmerwiedersehen in die Aprikosen und den Teig und vermatscht diese dadurch nachhaltig. Geschmeckt hat es trotzdem, doch den Kuchen zu stürzen habe ich nicht gewagt. Wie auch bei diesem Kuchen, wurde im Rosmarin-Kuchen eine ziemlich große Menge Joghurt verwendet, was ihm neben den 4 Eiern und dem Olivenöl einen Geschmack nach Pfannkuchen verlieh, in dem der Rosmarin (obwohl schon die doppelte Menge als angegeben benutzt) völlig unter ging. Zudem war er optisch ein Desaster, da auch die Konsistenz einem fluffigen Kaiserschmarrns glich, der aber aufgrund des hohen Zuckeranteils in der gut ausgefetteten Form hängen blieb.

Also ruhte unsere ganze Hoffnung auf dem angebliche „wahren“ Apfelkuchen. Und auch hier wird wieder Joghurt und Olivenöl benutzt, was den Kuchen sehr weich (uns zu weich) werden lässt. Geschmacklich haben wir schon bessere gegessen, doch was der „wahre“ Apfelkuchen ist, muss wohl jeder für sich entscheiden und manchmal ist man dann eben, der Autorin entsprechend, Eigeninitiative beim Anpassen der Rezepte nach dem eigenen Gusto gefragt.

Fazit

Ein optisch hervorragend aufgearbeitetes Kochbuch, das in die „Welt der italienischen Süßspeisen“ entführt. Jedoch sollte man kein Anfänger in Sachen Backen sein, denn manche Rezepte sind sehr anspruchsvoll, während andere doch sehr dem Geschmack der Autorin angepasst zu sein scheinen, die ihre Vorliebe für Süßes in mehr als einem Text beschreibt. Doch bei mehr als 80 Leckereien dürfte jeder etwas finden, das das Leben süßer macht.

 La Vita è Dolce

, Dorling Kindersley

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