Gesegnete Mahlzeit

  • Pichler
  • Erschienen: Januar 2010
  • ISBN: 978-3-85431-519-3
  • 192 Seiten.
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Chris Langmandel
4

Kochbuch-Couch Rezension von Chris Langmandel Mai 2010

Praktikabilität

Die historischen Gerichte erfordern ein wenig mehr Können als die aktuellen; dennoch sollten alle Gerichte für einen geübten Hobbykoch ohne Probleme zu machen sein. Die Gerichte sind gut verständlich und mit klaren Anleitungen versehen. Die Beschaffung der Zutaten stellt keine besondere Herausforderung dar.

Ausstattung

Ein hübsches Buch mit vielen schönen Fotografien, das den Leser merklich entschleunigt.

Entschleunigende Küche!

Wer möchte nicht gerne Häferlgucker spielen, in die Töpfe schauen, noch dazu in einer Stiftsküche? Die Klosterkultur vom Kochtopf aus entdecken? In einer Zeit, in der das rechte Maß abhanden zu kommen scheint, wenden wir uns wieder den Klöstern zu, versuchen wir in der Stille der Abteien dem verlorenen Paradies wieder etwas näher zu kommen. Und wir schätzen wieder die Klosterküche, genießen gute, einfache und gesunde Speisen, deren Rezepte sich am jahreszeitlichen Angebot der Natur und am vernünftigen Maßhalten im Essen und Trinken orientieren. Für ihr neues, von Abt Berthold Heigl fotografiertes Kochbuch durfte Irmi Hoffmann dazu nicht nur hinter die Kulissen der Stiftsküche Seitenstetten blicken, sondern auch am klösterlichen Leben teilnehmen. So entstand ein authentisches, praktisches Werk, das neben den für die kleine Familienküche adaptierten Rezepten zahlreiche Anregungen und Dekorationsvorschläge für den Alltag, aber auch für festliche Gaumenfreuden bietet.

Entschleunigende Küche!

Erscheint Ihnen die Welt manchmal schnell, rastlos, aufs Äußerste beschleunigt und kalt? Wünschen Sie sich Ruhe, Entspannung und manchmal gar ein wenig Entrückung vom "täglichen Wahnsinn"? Dann könnte Sie Irmengard Hofmanns neues Kochbuch interessieren. Ihr Koch- und Lebensbuch entführt den Leser in die Welt der Klosterküche, oder genauer gesagt in die der Benediktiner-Abtei Seitenstetten. Der Einband verspricht ein "authentisches, vom klösterlichen Geist geprägtes Werk, das neben den für die kleine Familienküche adaptierten Rezepten zahlreiche Anregungen und Dekorationsvorschläge für den Alltag, aber auch für festliche Gaumenfreuden bietet."

Gesegnete Mahlzeit!

Im Vorwort erwartet den Leser neben einigen freundlichen einleitenden Worten der Autorin, die den allzu hektischen Zeitgeist anprangert, auch die Begrüßung durch den Abt des Klosters Seitenstetten und Fotografen dieses Buches, Berthold Heigl. Er weist darauf hin, dass alle Rezepte und Gerichte in Anlehnung an die jahreszeitlichen Gegebenheiten und die Vorgaben der Regula Benedicti entstanden sind. Außerdem sind alle Gerichte aus Zutaten zusammengesetzt, die von der klösterlichen Wirtschaft selber angebaut oder gezüchtet werden konnten. Man wird demnach vergeblich nach Currys, Chilis oder anderen exotischen Speisen suchen; den Leser erwartet also gute Hausmannskost.

Bemerkenswert ist auch, dass viele der vorgestellten Gerichte aus Originalrezeptsammlungen vergangener Jahrhunderte stammen und somit einen realistischen Einblick in eine ganz besondere Küche ermöglichen, zu der man heute nur noch schwerlich Zugang findet. Unter diesen, dem heutigen Koch mitunter auch kurios erscheinenden Gerichten, verdient eines ganz besondere Erwähnung: das Herrenlaibl. Dabei handelt es sich um einen Laib Brot, der – nach alter Klostertradition gebacken – einen Hauch längst vergangener Zeit mit sich trägt und früher als Grundnahrungsmittel der Mönche gedient hat.

Rezepte im Überfluss

Beim Blick in das Inhaltsverzeichnis werden dem ambitionierten Koch sofort zwei Dinge gewahr: Erstens wird hier nicht nach Gängen, sondern nach Zutaten getrennt und zweitens ist die Menge der Rezepte wirklich beachtlich (fast 100). Dabei wird in jedem Kapitel zwischen historischen und aktuellen Rezepten unterschieden. Die Sortierung der Kochanleitungen gliedert sich in folgende Kategorien:

  1. Erdäpfel
  2. Fleisch und Fisch
  3. Gemüse
  4. Obst- und Mehlspeisen

Eigentlich sollte also für jeden etwas dabei sein, der sich mit österreichischer Küche anfreunden kann.

Blättert man durch den Erdäpfelteil, stellt man schnell fest, dass es hier nicht nur Kartoffeln in all ihren erdenklichen deftigen Zubereitungsarten gibt (stellvertretend sollen hier Kartoffelpuffer mit Salbei, Kartoffelnudeln mit Käse und Kräutern genannt werden), sondern sogar eine Erdapfeltorte. Mit ordentlich Marzipan, Walnüssen und Schokolade werden Kartoffeln durch dieses Rezept zu einem wirklich ganz besonderen Schmaus gebacken. Wie in allen anderen Kapiteln auch schließen sich an die Rezepte von heute die wirklich interessanten Kochanleitungen aus der Vergangenheit des Klosters an. Im Falle des Kapitels Erdäpfel fällt diese Abteilung mit nur einem Gericht allerdings recht kurz aus, zum Glück wird der Leser mit der Geschichte der Kartoffel im Kloster Seitenstetten entschädigt, die dort bereits 1621 angebaut und als Nutzpflanze sehr geschätzt wurde.

Schnell landet man in der österreichischen Küche, in der Rubrik Fleisch gerne mal beim Wiener Schnitzel, und tatsächlich hat auch die Klosterküche ein Rezept für gebackenes Schweinekotelett im Angebot. Darüber hinaus warten aber auch Hähnchenspieße in Kräutersoße, Kräuter-Hendl oder Kräuterforellen auf den interessierten Koch. Im letzten Satz kam ein bisschen oft das Wort "Kräuter" vor? Das liegt am klostereigenen Garten, der mit einer Vielzahl leckerer Gewürzpflanzen eine sehr anspruchsvolle und geschmacksintensive Küche ermöglichte.

Ganz besonders möchte ich aus diesem Kapitel die Rehmedaillons mit Herbstkronen erwähnen. Dafür einfach Rehmedaillons rund binden und verschnüren, aus Toast, Milch und Ei einen Semmelteig herstellen und diesen auf den Medaillons platzieren. Je nach Wunsch können diese Türmchen jetzt noch mit Nüssen, Pflaumen oder Pilzen garniert werden und schmecken wirklich köstlich.

Der Abschnitt mit historischen Rezepten ist in diesem Kapitel schon etwas länger, und das gefüllte Spanferkel von 1640 – also das Rezept, nicht das Ferkel – klingt wirklich sehr schmackhaft.

Weiter geht es mit dem äußerst umfangreichen Kapitel zum Gemüse, das selbstredend auch im klostereigenen Garten angebaut wurde. Aus diesem Abschnitt würde ich gerne die Bärlauchnocken in Weißwein-Obers-Soße mit Pinienkernen hervorheben. Eine ganz spannende Angelegenheit, die als Beispiel für die vielen fleischlosen aber keinesfalls langweiligen Gemüsegerichte des Buches stehen kann.

Das Beste kommt zum Schluss

Was, wenn nicht Nachspeisen, sind der Glanz der österreichischen Küche? Hier macht auch das Kloster Seitenstetten keine Ausnahme und präsentiert eine Auswahl unglaublich gut klingender Desserts verschiedensten Couleurs. Von zum Kaffee zu reichenden Süßspeisen wie die Apfeltorte oder den Bauernkrapfen geht es über die absolut Highlight-verdächtigen Erdbeerknödel hin zum typisch österreichischen Apfelstrudel oder der Most-Apfel-Rolle. Natürlich folgen auch hier wieder einige interessante historische Kochanleitungen für den Leser.

Beim Blick zurück auf das Buch bleibt ein Eindruck von Entschleunigung. Dazu tragen auch die vielen sommerlichen Fotos des Klosters einen großen Teil bei. Von daher hat das Buch als Lebensbuch schon mal gehalten, was es versprochen hat. Auch was die kulinarische Seite betrifft, muss sich die Rezeptsammlung in keinem Fall verstecken und bietet – auch nach vielen Wochen noch – eine Menge Inspirierendes und Schmackhaftes und genug ´Stoff´ für ein interessantes Menü.

Gesegnete Mahlzeit

Irmengard Hofmann, Pichler

Gesegnete Mahlzeit

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