Das Tibet-Kochbuch

  • Riva
  • Erschienen: Mai 2022
Das Tibet-Kochbuch
Das Tibet-Kochbuch
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Carola Krauße-Reim
5

Kochbuch-Couch Rezension vonJun 2022

Praktikabilität

Die Rezepte sind alle sehr gut erklärt und nachvollziehbar. Lediglich einige Zutaten dürften etwas schwer zu erhalten sein.

Ausstattung

Sehr gut präsentierte Gerichte mit gut verständlichen Rezepten, deren Erläuterungen keine Frage offen lassen. Die ausführliche, warmherzige Einleitung und die vielen, oft sehr persönlichen Fotos zeigen die ganze Liebe des Ehepaares zu Tibet.

Viel mehr als ein Kochbuch

„Seit wir zusammen sind, träumen Yeshi und ich davon Tibet auf die Landkarte der Speisen zu setzten.“ Das ist dem britisch-tibetischen Ehepaar Julie Kleeman und Yeshi Jampa mit ihrem kleinen und sehr gemütlichen Restaurant „Taste Tibet“ mit angeschlossenem Shop in Oxford bereits zu einem guten Teil gelungen. Jetzt erweitern sie die Kampagne mit ihrem ersten Kochbuch, das uns kulinarisch in Yeshis Heimat nach Osttibet entführt. Leider ist die Übersetzung, gerade im ersten Teil des Buches, etwas holprig ausgefallen, doch die Rezepte selbst, die alle aus Yeshis Familie stammen oder auf seinen eigenen Erfahrungen basieren, sind sehr gut verständlich.

Die Küche eines noch weitgehend unbekannten Landes

Tibet, das Land an der Nordseite des Himalayas, ist heute eine autonome Provinz Chinas. Weite Teile des riesigen Landes sind noch landwirtschaftlich geprägt; die tibetische Bevölkerung lebt sehr traditionell und fest verankert im buddhistischen Glauben. Die Küche Tibets ist eigenständig, hat aber ähnliche Elemente, wie die nepalesische und anderer Länder oder Regionen am Dach der Welt.

Lange war Tibet nach der chinesischen Annektion abgeschottet und für Touristen unerreichbar. Das Land blieb daher ein weitgehend weißer Fleck auf der Landkarte. Auch das wollen Julie und Yeshi jetzt ändern und haben deshalb ihrem Kochbuch eine sehr lange Einleitung mitgegeben, die Tibet mit seinen Landschaften, seinen Gebräuchen und seinen Menschen vorstellt. Auch wenn man sich schon mit dem Land am Himalaya befasst hat, sind diese einleitenden Kapitel interessant, denn sie vermitteln auf eine sehr warmherzige Art die Liebe des Ehepaares zu Yeshis Heimat, seiner Familie und ihren Traditionen. Ergänzt wird dieser Textteil und auch die nachfolgenden Kapitel durch wunderbare Fotos, vor allem der Familienmitglieder, die das karge Leben in Osttibet anschaulich widerspiegeln.

Abwechslungsreiche Rezepte und informative Hinweise

Auch bei den Rezepten ist der Wunsch Tibet vorzustellen spürbar, denn oft werden sie durch kleine Tipps von Yeshi ergänzt und eingefügte Essays, wie „Momos zubereiten und essen“, geben noch einmal zusätzliche Auskunft.

Am Ende des Buches wird sogar auf die richtige Aussprache des Tibetischen eingegangen und Hinweise zu den Zutaten gegeben. Hier zeigt sich schon eine kleine Schwierigkeit, denn nicht alles dürfte ohne Probleme zu erhalten sein. Aber z.B. Kokospulver, Mung Dal, Wolkenohrpilze und Schwarzer Chinkiang-Essig könnten eventuell in indischen oder chinesischen Lebensmittelläden vorrätig sein oder eine gebräuchlichere Alternative besitzen.

Die Rezepte selbst haben immer eine übersichtliche und meist nicht sehr lange Zutatenliste. Die Anleitung befindet sich in einem gut verständlichen Fließtext und ist meist mit einem ganzseitigen Foto versehen, das genauso appetitanregend wie stimmungsvoll ist.

Die Gerichte decken alle Wünsche ab, wobei Teigtaschen und Wok-Gerichte sehr zahlreich vertreten sind, die sehr wichtigen Dips und Saucen, sowie Streetfood-Favoriten, süße Köstlichkeiten, kalte Gerichte und Suppen mit Eintöpfen aber natürlich auch enthalten sind. Hier findet garantiert jeder etwas Leckeres aus Tibet. Die Zubereitung ist meist auch nicht sehr kompliziert und wenn es einmal etwas kniffliger ist, wie bei den Momos, wird alles ganz genau mit Fotos untermauert erklärt und gezeigt.

Wir wollen nach Tibet …

… oder zumindest zuerst einmal ins „Taste Tibet“ nach Oxford! Die ausführliche Einleitung hat bei uns den schon lange gehegten Wunsch nach Tibet zu reisen neu entfacht und die Speisen sehen so appetitlich aus, dass wir unbedingt viele davon probieren wollen – gerne von Yeshi selbst gekocht.

Doch bevor wir die Reisepläne tatsächlich umsetzen, müssen wir die Genüsse Tibets erst einmal in der eigenen Küche realisieren. Wir haben uns zuerst an „Balep“ (tibetisches Fladenbrot), den Dips „Sho Sepen (Chili mit Joghurt), „Yeshis Super-Salsa“ und „Tomaten-Sepen“ (Tomaten-Chili-Dip) probiert, was alles einfach und schnell zuzubereiten war und (vielleicht teilweise ein bisschen scharf) immer sehr leckergeschmeckt hat. Das „Tomaten-Sepen“ haben wir auch zu den Momos mit Rindfleisch- und Käsefüllung gereicht, die wir dieses Mal nicht gedämpft, sondern dampfgebraten haben, was den Teigtaschen eine knusprige Unterseite bescherte.

Lediglich an der Performance müssen wir noch etwas arbeiten, aber das etwas gewöhnungsbedürftige Aussehen hat ihrer Köstlichkeit keinen Abbruch getan. Dazu gab es den in Tibet unvermeidlichen „Buttertee“, der durch das zugefügte Fett seinen ganz eigenen Geschmack hat, an den man sich erst gewöhnen muss.

Die „Bratnudeln mit Gemüse“ haben uns sehr an chinesisches Essen erinnert, was wahrscheinlich auf den Einfluss Chinas auch in kulinarischer Hinsicht zurückzuführen ist. Die Rezepte sind sehr abwechslungsreich, meist mit viel Gemüse zubereitet und ermöglichen so oft auch Vegetariern in die Küche Tibets einzusteigen. Wir jedenfalls werden noch sehr viel mehr aus dem über 230 Seiten dicken Kochbuch zubereiten (oder es von Yeshi in Oxford kochen lassen!).

Fazit

Ein wunderbares und sehr warmherziges Kochbuch! Mit den „traditionellen Rezepte aus dem Himalaya“, der ausführlichen Einleitung zu Land und Leuten und den sehr stimmungsvollen Fotos, schaffen es Julie und Yeshi ihre ganze Liebe zu Tibet zu zeigen. Die leicht zu kochenden und sehr leckeren Gerichte sind auch für Anfänger realisierbar und viele auch für Vegetarier geeignet - und alle wecken den Wunsch das Land am Nordrand des Himalayas kennen zu lernen oder zumindest das „Taste Tibet“ in Oxford.

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