Dahlienchips und Berberitzenreis

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  • Erschienen: Februar 2022
Dahlienchips und Berberitzenreis
Dahlienchips und Berberitzenreis
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Claudia Goldammer
5

Kochbuch-Couch Rezension von Claudia Goldammer Jun 2022

Praktikabilität

Die Zutatenliste kling teilweise exotischer als sie in Wirklichkeit ist – einfach mit offenen Augen durch Wiese und Wald streifen, und schon ist alles da. Allerdings sind nicht alle Produkte das ganze Jahr verfügbar.

Ausstattung

Tolle, stimmungsvolle Fotos von sowohl Pflanzen als auch Speisen in Kombination mit anschaulich beschriebenen Rezepten – in jeder Hinsicht sehr gelungen.

So schmackhaft ist Natur

Wenn Giersch, Brennnesseln und Klee kurz davorstehen, die Herrschaft im Garten zu übernehmen, das mühsam ausgesäte Gemüsebeet allerdings nur so mickrig vor sich hindümpelt und nicht richtig in die Gänge kommen will, stellt sich bei manchen Gärtner*innen Frust ein. Eimer für Eimer wird in wütender Verzweiflung Biomasse aus dem Boden gerissen und zum Kompost getragen. Doch gibt es tatsächlich keine andere Verwendung für diese ungeliebten Pflanzen, als sie als Kompostmaterial wieder dem Lebenskreislauf zuzuführen?

Doch, es gibt eine andere Verwendungsmöglichkeit und eine sehr schmackhafte noch dazu, wie Judith Gmür-Stalter und Kathrin Fritz zeigen. Die beiden Autorinnen haben in „Dahlienchips und Berberitzenreis“ mehr als 90 Rezepte zusammengetragen, die mit ebendiesen Pflanzen das besondere Extra erhalten. Heutzutage nutzen wahrscheinlich nur wenige Menschen noch das, was wild vor der Haustür wächst, doch Brennnesseln verleihen Malfatti eine aromatisch-würzige Note, in die Kräuterbutter wandern Gierschblätter, der lästige Löwenzahn verfeinert Spargel und Lindenblüten verleihen Blumenkohl eine herrlich frühlingshafte Note.

Die Vielfalt der Natur auf dem Esstisch

Die Bandbreite der Rezepte lässt keine Wünsche offen: Getränke (heiß und kalt, mit und ohne Alkohol) sind ebenso dabei wie Salate, Suppen, vegetarische Gerichte, Gerichte mit Fleisch und süße Abrundungen von Eis bis Kuchen. Teilweise sind die Vorschläge ruck zuck umgesetzt (wenn z.B. die Blüten des Gamander-Ehrenpreis schnöde Eiswürfel verschönern), manche sind etwas aufwändiger oder bedürfen eines geplanten Einkaufs. Nicht jede Zutat ist in jedem Landesteil zu erhalten, so dürfte Spätzlemehl im Norden schwer zu finden sein, kann aber mit ein bisschen Recherche leicht durch anderes Mehl ersetzt werden.

Für manche Rezepte reicht es wahrscheinlich auch nicht, schnell den eigenen Garten zu plündern, im Wald und auf der Wiese sind jedoch die meisten Pflanzen zu finden. Dann steht auch der Rottannen-Panna-Cotta-Torte oder dem Buchenlikör nichts mehr im Weg.

Die Buchstruktur erscheint so wild wie Wald und Wiese. Es gibt keine Unterteilung nach Art der Speisen, dafür fließt das Buch durch den Lauf der Jahreszeiten und schnell wird klar, dass nicht alle Rezepte das ganze Jahr über zubereitet werden können. Auch wenn Erdbeeren mittlerweile fast ganzjährig im Supermarkt zu finden sind, wachsen Linden- oder Rapsblüten nur in einem sehr begrenzten Zeitraum. Auch das ist übrigens Natur.

Die Rezeptanleitungen sind übersichtlich und gut nachvollziehbar geschrieben, wenn auch vereinzelt mit leichtem Dialekt. Allerdings sind die einzelnen Schritte gut beschrieben, so dass sich die Bedeutung aus dem Kontext erschließt und der Essgenuss nicht daran scheitert. Für ein erstes zögerliches Herantasten an die Verwendung von Wiesenkräutern in der Küche, empfehle ich die Blüten-Kräuter-Butter, den wilden Salat oder den Frühlingstee. Kinderleicht umzusetzen und herrlich geschmacksintensiv. Sicherlich häufiger kommen bei uns die Brennnessel-Malfatti auf den Tisch, die sehr einfach zuzubereiten sind, ziemlich beeindrucken und geschmacklich mit einer würzigen Brennnesselnote mehr als überzeugen.

Wissenswertes als Zusatz

Zusätzlich zu den sehr abwechslungsreichen Rezepten werden 30 verschiedene Pflanzen in kurzen Portraits vorgestellt: lateinischer Name, generell Wissenswertes, wo sind sie am ehesten zu finden, welche Pflanzenteile sind essbar, wie schmecken sie, wann werden sie am besten gesammelt und in welchen Rezepten des Buches kommen sie vor?  Damit kann jeder Spaziergang zukünftig auch eine Entdeckungstour der kulinarischen Art werden.

Abgerundet werden diese umfassenden Informationen durch die äußerst stimmungsvollen Fotografien von Maurice K. Grünig, die sowohl die Rezepte als auch die Pflanzen ins rechte Licht rücken und beidem den Raum geben, den sie brauchen. Damit fällt es zum einen leicht, die Pflanzen in der freien Wildbahn wiederzuerkennen, zum anderen steigern die appetitlich aussehenden Fotos natürlich die Freude auf den kulinarischen Genuss.

Am Buchende gibt es nicht nur ein Rezept- und Pflanzenverzeichnis, sondern auch noch Tipps für weiterführende Literatur und Informationen, z.B. zum Thema Heilkräuter oder Gärtnereien.

Fazit

Wer Spaß an Experimenten und dem Entdecken neuer Geschmacksnoten hat, der wird in „Dahlienchips und Berbereitzenreis“ große Freude haben. Und auch skeptische Leute lässt dieses Buch Garten, Wald und Wiese wenigstens mit ganz neuem Blick ansehen. Vieles, von dem, was wir als Unkraut ansehen, kann viel mehr - die meisten von uns haben das nur verlernt.

Dahlienchips und Berberitzenreis

Judith Gmür-Stalder, Kathrin Fritz, AT

Dahlienchips und Berberitzenreis

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