Murder Mystery Party
Kuchen für eine Leiche

Spiel-Kritik von Carola Krauße-Reim (01.2022)

Das Krimi-Dinner für Zuhause

Welcher Krimi-Fan kennt sie nicht - die Veranstaltungen, bei denen man entsprechend gekleidet ein köstliches Dinner verspeist und nebenbei auch noch einen kniffeligen Kriminalfall löst? Jetzt kann man sich dieses Vergnügen auch Zuhause gönnen, denn der Kosmos Verlag hat bereits zahlreiche Vorlagen geliefert und legt jetzt mit einer mörderischen Teatime nach.

Es wurde an alles gedacht

Die einzelnen Komponenten des Spieles sind übersichtlich und dennoch hat der Verlag an alles gedacht: natürlich sind die Rollenhefte und Tischkarten der Dinner Teilnehmer dabei, aber auch ein umfangreicher Partyplaner, der den Spielablauf erklärt, Vorschläge zur Dekoration der Räumlichkeiten und  korrekten Kleidung der einzelnen Personen liefert und sogar einen Zeitplan parat hat, damit die vorgesehenen Getränke und Speisen auch pünktlich fertig sind. Dafür werden Rezepte der üblichen Teatime-Köstlichkeiten, wie Cakes, Sandwiches und Scones gleich mitgeliefert. Und selbst an die Einladungskarten inklusive der Couverts wurde gedacht – da kann ja nichts mehr schief gehen, oder doch?

Auf ins Painton Place Hotel, Norfolk, England

„Kuchen für eine Leiche“ handelt also an besagtem Ort. Neben dem bedauerlichen, aber notwendigen Opfer, spielen noch 8 unterschiedliche Personen eine Rolle. Hier zeigt sich schon die erste Hürde dieses Spiels – man braucht alle 8 Charaktere und damit auch 8 Spieler, damit die Geschichte überhaupt funktioniert. Da kann man nur hoffen, dass der Familien- und Freundeskreis so viele Krimi-Dinner-Willige bereithält! Spontan kann dieses Spiel also schon einmal nicht gespielt werden. Hat man aber alle zusammen, merkt man schnell, dass auch dann Spontanität nicht gebraucht wird, denn alle Rollen sind bis auf das Kleinste vorgegeben.

Die Scones und der Earl-Grey müssen schnell geschluckt werden, denn es gibt wirklich EINE MENGE zu lesen! Hier ist keine Eigeninitiative gefragt, sondern viel Luft und Spucke um die vorbereiteten Antworten auf die ebenso vorbereiteten Fragen zu geben. Immer mehr wird offensichtlich und zum Schluss darf jeder seinen Tipp bezüglich des Mörders abgeben. Apropos Mörder – natürlich erfährt die entsprechende Rolle relativ bald, dass er/sie den guten Franny Craddock gemeuchelt hat, muss aber natürlich auch seine/ihre Unschuld bis zum Schluss glaubhaft verkörpern.

Not really exciting, my dear!

Trotz der tollen Ausstattung und Vorbereitung kam bei uns leider so gar keine Spannung auf. Die vorbereiteten Charaktere wirken so überzogen, dass man sich manchmal in einem alten Edgar-Wallace-Film wähnte. Doch noch viel weniger fesselnd sind die in jeder Spielrunde immer wiederkehrenden Fragen nach Motiv, Mittel und Gelegenheit, was nicht zuletzt an den zwingend anzuwendenden vorbereiteten Dialogen und Antworten lag, die einfach nur vorgelesen werden mussten. Die waren leider auch noch alles andere als einfallsreich:

Barry:  Liebe geht durch den Magen, nicht wahr? Er war sozusagen das Sahnehäubchen Ihrer Backleidenschaft. Hahaha…

Judy:  Ach seien Sie doch still, Mr. Chips. Das ist nicht komisch! Sie fangen an mir auf die Nerven zu gehen.

Barry:  Tja, dann gehe ich Ihnen wohl allmählich auf den Keks, um im Bilde zu bleiben...Verstehen Sie?

Leider ging uns das Spiel auch schnell auf den Keks – und wer der Mörder war, hatte man ebenso schnell erraten.

Fazit:

„Murder Mystery Party“ ist die Home-Variante der Krimi-Dinner, bei dem man entsprechend bekleidet die Teatime genießen und dabei einen Kriminalfall lösen kann. Die Idee, das zu Hause spielen zu können, ist durchaus gut und die umfängliche Ausstattung noch dazu - aber die Umsetzung lässt leider nur sehr wenig Stimmung oder gar Spannung aufkommen.

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Fotos: © Kosmos

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