Kitchen Rush

Spiel-Kritik von Carola Krauße-Reim (04.2020)

Gute Materialien garantieren noch kein gutes Spiel

Kitchen Rush ist ein Familienspiel ab 8 Jahren für 2 bis 4 Spieler und einer Spieldauer von 20 bis 60 Minuten. Man wird zum Gastronom mit eigenem Restaurant, muss seine Gäste empfangen, die Bestellungen aufnehmen, die Speisen kochen und dann auch servieren. Natürlich müssen immer ausreichende Zutaten und genügend sauberes Geschirr da sein. Eine gut gefüllte Vorratskammer ist genauso wichtig, wie der richtige Teller. Und, es darf alles nicht ewig dauern, denn der Gast wartet ja auf sein Essen!

Schönes Spielmaterial, aber die Spielanleitung ist ein Schock

Gleich beim Auspacken ist uns das gute und stabile Material des Spieles aufgefallen. Die Pappe der Spielkarten, der Teller und Spieltafeln, alles ist massiv und hält einige Spielvorgänge aus. Die Kochzutaten sind aus Holz, was heißt, man hat z. B. winzige Möhren, Brotscheiben, Fleischstücke, Käseecken und Nudeln, die wirklich nett anzusehen sind. Die Sanduhren sind angenehm groß und dadurch handlich. Das Material ist also schon einmal erstklassig. Aber dann kam der Schock: Die Anleitung umfasst 8 Szenarien auf 20 Seiten! Jedes Szenario baut auf dem vorhergehenden auf und birgt immer mehr Komponenten, die der Spieler beachten muss. Vor dem Spielen steht also erst einmal eine längere Lektüre ins Haus, auch, wenn man natürlich mit Szenario 1 beginnt.

Zwei Spieler sind zu wenig, vier anscheinend zu viele

Wir haben das Spiel mit zwei Spielern ausprobiert, was der angegebenen Mindestanzahl entspricht. Nach dem Studium der 5 Seiten für das erste Szenario ging es los und sogleich haben wir festgestellt, dass für das zu kochende Gericht nicht genügend Gemüse in der Vorratskammer ist. Da man in diesem Szenario auch nicht einkaufen gehen kann, war das schon mal nichts! Obwohl alle Aktionen durch einen externen Zeitmesser (z.B. Handy) limitiert werden, geben die Sanduhren selber noch einmal viel Zeit vor, die eingehalten werden muss und somit den Spielverlauf extrem beeinflusst. Wir haben uns streng nach Regeln durch das erste Szenario gehangelt und fanden es einfach langweilig. Also, haben wir uns an das zweite gewagt. Doch auch hier mussten wir feststellen, dass es Diskrepanzen gab. In der Anleitung ist immer nur von „im Spiel zu zweit“ und „im Spiel zu dritt“ die Rede, während bei der Ausgabe der Kochutensilien und Vorräte auf einmal auch von 4 Spielern die Rede ist(?). Auch das zweite Szenario, in dem 4 neue Spielelemente dazu kamen, hat uns nicht überzeugt. Die restlichen Szenarien, sechs an der Zahl, haben wir dann nur noch in der Anleitung durchgelesen. 

Ein Spiel für Einzelkämpfer und Hektiker

Mit jedem Szenario nimmt die Komplexität des Spieles zu. So kommen noch Geld, Warentrennung, Einkauf, Trinkgeld, schmutziges Geschirr, Presseberichte und vieles mehr dazu. Das ist einfach zu viel des Guten! Warum nicht ein angenehm vollgepacktes und flüssig zu spielendes Szenario mit vielleicht noch einer Erweiterung? So erschließt sich uns der Reiz des Spieles leider nicht. Als Einzelkämpfer braucht man keine Logik, sondern nur Ellenbogen und eine Sanduhr, die noch läuft, um dem Mitspieler vielleicht ein paar Käseecken oder einige saubere Teller vor der Nase wegzuschnappen, mehr aber auch nicht! Für Kinder ist das Ganze vielleicht noch reizvoll, für Erwachsene weniger. Allerdings dürfte die umfangreiche Anleitung und der viel zu komplexe Aufbau des Spiels Kinder vollkommen ausbremsen.

Fazit:

Die Idee ist innovativ – keine Frage - nur an der Umsetzung hapert es. Zu viele Vorgaben, wenn auch in 8 aufeinander folgenden Szenarien, machen das Spiel zu komplex und nur stockend spielbar. Mit Logik oder Raffinesse kommt man auch nicht weiter und Kinder dürften einfach überfordert sein. Da reißen auch die hübsch anzusehende Möhrchen nichts mehr raus. 

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Fotos: © Pegasus Spiele