Interview mit Klaus-Peter Wolf

„Ich lese Kochbücher wie andere Leute Kriminalromane.“

Die Vox-Kochshow Das perfekte Dinner hat dieser Tage eine  Runde aus Ostfriesland im Programm. Unter ihnen ist auch Klaus-Peter Wolf, der mit seinen Ostfriesland-Krimis um Ann Kathrin Klaasen bisher 7 Bestsellertitel geschrieben hat. Im Interview erzählte er von seiner zweiten Leidenschaft neben der Schreiberei, dem Gefühl von Heimat und Familie und gewährte einen Blick hinter die Kulissen der Fernsehsendung.

    Kochbuch-Couch: Moin Herr Wolf, schön, dass Sie sich ein wenig Zeit für unsere Fragen nehmen. Dieser Tage läuft im TV auf Vox Das perfekte Dinner mit einer Truppe aus Ostfriesland und Sie sind ein Teil davon. Was hat Sie bewogen, dort mitzumachen?

    Klaus-Peter Wolf: Das perfekte Dinner war die Lieblingssendung meiner Mutter. Sie hat das jeden Tag geguckt und man durfte sie ab neunzehn Uhr auch nicht stören oder man musste es mit ihr gucken. Sie hat dann immer erlebt, dass ihr Sohn als Kriminalschriftsteller in Fernsehsendungen auftrat. Das hat sie nie sonderlich beeindruckt. Für sie wäre es das Größte gewesen, ihren Sohn einmal im „Perfekten Dinner“ zu sehen. Leider erlebt sie es nicht mehr, sie ist vor einem Jahr gestorben.

    Als ich die Anfrage von der Produktionsfirma bekommen habe, war für mich sofort klar, dass ich zu Ehren meiner Mutter mitmache.

    Kochbuch-Couch: Warum haben Sie sich – wir vermuten bewusst – gegen die Prominenten-Version der Fernsehsendung entschieden?

    Klaus-Peter Wolf: Das Promi-Dinner fand sie nie besonders spannend und ich auch nicht. Manchmal kannte ich die Promis gar nicht. Ich glaube, dabei hätte ich nicht mitgemacht. Aber hier sollten einfach fünf Ostfriesen füreinander kochen und miteinander Spaß haben. Als Autor der Ostfriesenkrimis fühle ich mich mit Ostfriesen meistens ziemlich wohl. Ich mag ihre unaufgeregte Herangehensweise an die Dinge.

    Kochbuch-Couch: Dürfen Sie ein bisschen was von „hinter den Kulissen“ verraten? Ich könnte mir vorstellen, dass der Tag, an dem Sie selbst der Gastgeber sind, ganz schön anstrengend ist und man von morgens bis abends auf Schritt und Tritt von einem Kamerateam verfolgt wird.

    Klaus-Peter Wolf: Ja, das hat schon meine ganze Woche in Anspruch genommen und ich glaube, es ist eine der wenigen Wochen in meinem Leben, in der ich nicht geschrieben und keine öffentlichen Veranstaltungen gemacht habe. An „meinem“ Tag, also dem Mittwoch, kam ein Kamerateam morgens kurz vor acht Uhr zu mir. Dieses Kamerateam hat mich dann bis abends achtzehn Uhr begleitet, dann wurde es durch zwei andere Kamerateams abgelöst. Man hat an dem Abend ja gleich zwei Fernsehteams in der Wohnung, eins, das mit den Gästen zusammen ist und eins, das den Koch in der Küche beobachtet.

    Das Ganze dauerte bei mir mit dem anschließenden Schnaps danach bis kurz nach eins am nächsten Morgen. Aber es hat mir riesigen Spaß gemacht. Ich wurde von einer Welle von Unterstützung getragen. Meine „Schnibbelhilfe“, meine liebe Frau Bettina Göschl, die Kinderliedermacherin, hat mir in der Küche geholfen. Um achtzehn Uhr musste sie allerdings gehen, ab dann war ich ganz auf mich allein gestellt.

    Bettina wurde vor laufender Kamera gefragt, warum sie mit mir zusammen ist und hat dann eine Liebeserklärung gemacht, die mich zu Tränen gerührt hat, aber trotzdem musste ich danach natürlich fleißig weiterkochen.

    Das Kamerateam hat uns begleitet als wir in meinem Lieblingsrestaurant, dem Stadthotel Smutje, waren. Dort habe ich mir von meinem Freund Frank Weiß Deichlamm besorgt. Bei ihm habe ich es zum ersten Mal gegessen, ich fand es wundervoll. Ich bin dann zu dem Meister in die Küche gegangen, habe mich auf den Boden gekniet und gesagt: „Zeig mir, wie du das gemacht hast.“ Er hat es mir gezeigt und seitdem ist Deichlamm mit dicken Bohnen ein Standardgericht, wenn wir Gäste bekommen.

    In dem kleinen Fischladen Weissig auf dem Neuen Weg in Norden habe ich dann Knurrhahn geholt für eine schöne Fischsuppe. Das Kamerateam war immer dabei, aber die Nörder reagieren schon ziemlich gelassen, wenn ich mit einem Kamerateam durch die Stadt gehe. Sie kennen das ja. Wenn ein neuer Roman erscheint, ist immer ein Kamerateam da, meist vom NDR, und dreht ein paar Bilder von den Tatorten, die ja oft in der Stadt Norden liegen. Da hatte ich vielleicht einen kleinen Vorteil gegenüber den anderen Teilnehmern. Ich gelte als recht kamerafest, da das für mich keine ungewohnte Situation ist. Allerdings hatte ich noch nie beim Kochen in der Küche eine Kamera dabei, dann gibt es schon ganz spannende Szenen.

    Zum Beispiel, ich würze die Fischsuppe und der Kameramann sagt mir: „Nee, wir hatten Probleme mit dem Licht. Kannst du das bitte nochmal machen?“ Ich salze also noch einmal und er sagt: „Nee, das war wieder nichts. Ich brauche das nochmal.“

    Ich habe einen Lachkrampf gekriegt und gesagt: „Gleich hast du wunderschöne Bilder, aber meine Suppe schmeckt nicht mehr ...“

    Kochbuch-Couch: Was hat Ihnen während dieser Woche am meisten Spaß gemacht?

    Klaus-Peter Wolf: Ich bin ja ein neugieriger Mensch. Ich war gespannt darauf, vier neue Leute kennen zu lernen, ihre Wohnungen zu erleben, etwas von ihrem Leben zu hören und natürlich habe ich mich über das Essen gefreut. Es war eine schöne Woche, mit gutem Essen und netten Leuten. Ich habe es genossen und wahrlich meine Freude dabei gehabt. Natürlich wird sich das Ganze auch literarisch niederschlagen, ich arbeite schon an einer Krimierzählung, in der ich einige der Eindrücke verarbeite.

    Doof fand ich eigentlich nur, dass wir am Ende eines jeden Abends Punkte geben mussten. Ich fand solche Bewertungen schon in der Schule immer blöd. Am liebsten hätte ich das einfach weggelassen. Aber das geht nicht, wenn man mitmacht, lässt man sich halt auf die Spielregeln ein. Ich habe dann immer sehr großzügig und freigiebig Punkte verteilt, auch wenn mir der Wein oder Sekt zu süß und die Nachspeise zu mächtig war. Mein Gott, was soll’s denn? Es geht doch darum, Spaß zu haben und nicht darum, zu gewinnen.

    Kochbuch-Couch: Hand auf’s Herz: Haben Sie sich professionelle Hilfe in die Küche geholt oder hat der Schriftsteller wirklich alles selbst gemacht?

    Klaus-Peter Wolf: Nein, der Schriftsteller hat alles selbst gemacht. Das geht auch nicht anders, schließlich ist ja ein Team dabei und dreht. Allerdings konnte ich auf reichhaltige Erfahrung zurückblicken. Manchmal koche ich zusammen mit Frank Weiß und ich habe von dem Meister viel gelernt. Ich hoffe, wenn er sieht, was ich beim Dinner verzapfe, wird er gnädig mit mir sein …

    So gut wie er werde ich nie werden, aber ich bin ja auch kein Koch, sondern ein Schriftsteller. Aber beides, Schreiben und Kochen, mache ich mit Leidenschaft.

    Kochbuch-Couch: Wann haben Sie Ihre Leidenschaft fürs Kochen entdeckt?

    Klaus-Peter Wolf: Mein Papa war Lastwagenfahrer und meine Mama Friseurin. Ich wurde bei ihnen im Ruhrgebiet groß. Essen ging ich normalerweise zu meiner Oma, die mir dann meine Lieblingsspeisen, zum Beispiel Apfelpfannkuchen, gemacht hat. Ich habe ihr immer beim Kochen zugesehen, saß in der Küche. Meistens malte ich kleine Bilder. Damals dachten ja alle noch, ich würde Comiczeichner werden und nicht Schriftsteller, aber ich konnte einfach noch nicht so viele Worte schreiben und habe sie durch Bilder ersetzt.

    Sonntags und montags hatte meine Mutter frei, weil das Friseurgeschäft dann geschlossen hatte. Dann hat sie für uns gekocht und ich habe sehr gerne mitgeholfen. Es war eine Art des miteinander Redens und ich habe diesbezüglich viel von ihr gelernt.

    Ich bin zusammen mit meiner Frau Bettina Göschl auf endlosen Tourneen. Ich liebe es, abends den Menschen aus meinen Büchern vorzulesen. Im letzten Jahr habe ich 271 Nächte in Hotels geschlafen. Das führt natürlich dazu, dass wir viel in Restaurants essen. Wenn wir dann zuhause sind, zanken wir uns immer darum, wer kochen darf, weil dann die Wohnung so schön riecht. Eine Zwiebel zu würfeln ist dann das größte Vergnügen und zu riechen, dass die Fingerspitzen den Knoblauch angefasst haben. Oft kochen wir dann auch gemeinsam.

    Dabei reden wir sehr viel, Bettina singt manchmal neue Liedstrophen, die sie ausprobiert und ich erzähle ihr von den Motiven meiner Mörder.

    Kochbuch-Couch: Kocht Klaus-Peter Wolf lieber „frei Schnauze“ oder akribisch genau nach Rezeptvorgabe? Probieren Sie gerne Neues aus?

    Klaus-Peter Wolf: Ich lese Kochbücher wie andere Leute Kriminalromane, aber ich halte mich nicht daran, sondern, das Gelesene gehört einfach zu meinem Erfahrungsschatz, aus dem heraus ich dann handle. Ich wiege nicht ab, brauche keine Messbecher und ersetze immer das, was nicht da ist, durch etwas anderes. So macht es auch mein Kommissar Weller in meinen Kriminalromanen. Wenn er kein Lamm zur Verfügung hat, nimmt er eben Hering, ansonsten macht er alles genauso, und siehe da, es schmeckt.

    Kochbuch-Couch: Gibt es Lieblingskochbücher oder Kochbuch-Autoren in Ihrer Bibliothek?

    Klaus-Peter Wolf: Ja, ein handgeschriebenes von meiner Frau Bettina Göschl. Die kann natürlich wunderbare fränkische Gerichte wie Sauerbraten. Eine Weile war Paul Bocuse mein Held, aber vieles, was ich nachgekocht habe, funktionierte am Ende nicht wirklich. Vielleicht, weil man bei seinen Gerichten nicht einfach dunkle Schokolade durch weiße ersetzen kann oder so …

    Kochbuch-Couch: Bei Ihren zahllosen Lesereisen quer durch Deutschland bleibt Ihnen aber doch vermutlich viel zu wenig Zeit für Ihr Hobby, oder?

    Klaus-Peter Wolf: Ich liebe mein Leben sehr. Das alles ist irgendwie mein Hobby. Es ist wundervoll, eine Welt entwerfen und Kriminalromane schreiben zu können. Es macht mir eine Riesenfreude, abends daraus vorzulesen und wenn ich dann zuhause bin, ist noch wichtiger als das Kochen ein Spaziergang am Deich. Das relativiert viele Probleme.

    Kochbuch-Couch: Auf was freut sich der müde Schriftsteller am meisten, wenn er nach einer langen Lese- und Promoreise wieder zurück nach Hause kommt? Gute Hausmannskost und ein kühles Bier?

    Klaus-Peter Wolf: Ja, das ist schon genau so. Und manchmal fahre ich auch gerne zu „Gittis Grill“ und esse eine Currywurst. Das erinnert mich dann an meine Jugend im Ruhrgebiet. Da war eine gute Currywurst das höchste der Gefühle. Und lange nicht jeder kriegt eine Currywurst wirklich hin.

    Bettina macht Frikadellen zum Niederknien! Und ohne Matjes Hausfrauenart kann ich mir ein gutes Leben nicht ernsthaft vorstellen.

    Kochbuch-Couch: Herzlichen Dank für das Gespräch, Herr Wolf.

    Das Interview führte Silke Wronkowski im Oktober 2013. Fotos (4): Lars Schafft.

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