Die schnelle Küche: Die besten 15-Minuten-Rezepte von Wagner, Christoph
Buchvorstellung und Rezension
Erschienen 2010 bei Pichler Verlag, Wien , 224 Seiten. ISBN 978-3854315216.
In Kürze:
Die faszinierende Grundidee des neuen Kochbuch-Hits von Starkoch Toni Mörwald und Bestsellerautor Christoph Wagner: komprimierter Genuss , der für jede Hausfrau und jeden Hobbykoch in den eigenen vier Wänden mit einfachsten Mitteln jederzeit nachvollziehbar ist. Jedes der vorgestellten Gerichte soll in einer Viertelstunde zubereitet und dadurch dem Fast und Convenience Food aus Tiefkühltruhe und Mikrowelle, was die Schnelligkeit betrifft, ebenbürtig und, was Qualität und Geschmack betrifft, überlegen sein.
Für Lesespaß beim turboschnellen Kochen garantieren amüsante Anekdoten und die besten Geschichten zum Thema Fast Food in der Küche. Die Gliederung des Buches folgt klassischen Alltagssituationen; die Rezepte sind übersichtlich in Vorbereitung und Zubereitung gegliedert. Wer sich genau daran hält, kann die Küchenuhr ganz nach Appetit einstellen, und schon nach 15 Minuten heißt es verlässlich Essen ist fertig!
Das meint Kochbuch-Couch.de: „Kurze Fuffzehn auf Österreichisch – schmeckt!“
Kochbuch-Couch-Rezension von Hermann Cölfen
Toni Mörwald hat bereits eine Reihe von Kochbüchern geschrieben oder an ihnen mitgearbeitet, und er ist seit langem als Teil der österreichischen Spitzengastronomie bekannt. Das jetzt im Pichler Verlag erschienene Buch „Die schnelle Küche. Die 222 besten 15-Minuten-Rezepte der Welt“ ist – verglichen mit den Themen der bisher von ihm verfassten Kochbücher – eine Überraschung. Nichtsdestotrotz greift er damit ein aktuelles Thema auf, denn der Wunsch nach qualitativ guten Rezepten, die aber in der Hektik des Alltags keine stundenlange Anwesenheit in der Küche erfordern, nimmt deutlich zu. Christoph Wagner – vor allem in Österreich bekannter Kochbuch- und Krimiautor – ist hier der Co-Autor; die Fotos stammen von Uli Kohl, Foodfotografin aus München.
Mörwalds in den Rezepten deutlich erkennbare österreichische Wurzeln spiegeln sich dementsprechend auch in diesem Kochbuch wider, und Personen, die mit dem Österreichischen nicht vertraut sind, werden das Glossar am Ende des Buches zu schätzen wissen. Dass Fisolen grüne Bohnen sind, dass sich hinter dem Häuptelsalat der Kopfsalat verbirgt und es sich bei Melanzani um Auberginen handelt: Das weiß nicht jeder. Die Anzahl österreichischer Bezeichnungen für Produkte und Gerichte hält sich aber in Grenzen; die Bedeutung der Wörter sind durch das Glossar leicht zu erschließen und nicht so österreichisch, dass man es als Bewohner Hamburgs, des Ruhrgebiets oder Hessens nicht verstehen könnte. Im Gegenteil: Ein Sashimi vom „Rindslungenbraten“ (Rinderfilet) ist doch eine durchaus attraktive Variante von Fusion Food, und zwar sowohl sprachlich als auch kulinarisch.
Schaut man auf die Rezepte, wird man schnell feststellen, dass es sich bei den im Buchtitel angekündigten 15 Minuten um die Zeit für die reine Zubereitung handelt. Bei dem einen oder anderen Rezept wird man sich fragen, ob dieser Zeitraum nicht doch etwas zu optimistisch angesetzt ist. Die kalte Gurkensuppe zum Beispiel, die aus nur wenigen Zutaten besteht, wird in einer Viertelstunde zu schaffen sein. Auch Tramezzini mit Schinken und Gorgonzola können locker in dieser Zeit zubereitet werden. Bei den Hamburger-Varianten wird es schon schwieriger (weil das Hackfleisch, der Fisch oder das Geflügel gewürzt und gebraten werden müssen), und die Rezepte in der Rubrik „Männer kochen“ fordern noch einmal deutlich mehr Zeit, sowohl bei der Vorbereitung als auch bei der Zubereitung. Auf jeden Fall kann man die Rezepte – wenn auch in unterschiedlichen Graden – vergleichsweise schnell zubereiten, und darum geht es ja.
Weniger gelungen hingegen sind die Pizza-Rezepte, bei denen zu leichtfertig auf Fertiggerichte zurückgegriffen wird (Fertigpizzateig, Pizzassauce aus der Dose und weitere Fertigprodukte für den Belag). Hier wird die Qualität der verkürzten Zubereitungszeit geopfert – das ließe sich leicht anders lösen.
Die Gliederung des Buches orientiert sich an unterschiedlichen Ereignissen oder Gelegenheiten:
• Fast Breakfast
• Powerlunch im Büro
• Der kleine Hunger zwischendurch
• Die schnelle Single-Küche
• Quickies für Zwei
• Weiberabend
• Männer kochen
• Schnell und gesund
• Fast Food für daheim
• Rock around the Wok
• Pasta à la Minute
• Süßes, aber subito
• Wenn unerwartet Gäste kommen
Das Kapitel Weiberabend „wurde unter wesentlicher Mitarbeit unserer beiden Lektorinnen geschrieben“, bekennen die beiden Autoren, wobei der Weiberabend mit dem Motto „Wenn Powerfrauen viel zu bereden haben und dennoch ´etwas am Tisch´ sein soll“ und Männer kochen mit „die besten Ideen für Kochen mit Freunden, die gern und schnell zupacken“ eingeführt werden. Dementsprechend gibt es in der Frauen-Abteilung eher leichte Gerichte wie Carpaccio vom Lachs, Salate, Fisch und jede Menge Gemüse, für Männer hingegen Entenbrust, Schnitzel, Steaks und Braten – und insgesamt deutlich mehr Fleisch und vergleichsweise größere Portionen. Und vermutlich liegen die beiden Autoren mit dieser Einschätzung gar nicht mal so falsch, wenn auch solche Zuschreibungen sicherlich nicht von allen gern gesehen werden.
Alles in allem ist sowohl der Umfang als auch die Vielfalt der Zutaten und Gerichte beeindruckend, vor allem wenn man bedenkt, dass es sich ja hier durchweg um Rezepte handelt, die in kurzer Zeit zubereitet werden sollen. Hier eine einladende Auswahl zu treffen, ist den beiden Autoren ohne Zweifel gelungen. Dass dabei Vegetarier voll und ganz auf ihre Kosten kommen, ist ebenso zu loben wie die gute Verständlichkeit der Zubereitungstexte. Mir haben vor allem die Hamburger-Variationen gefallen und die überbackenen Mozarella-Tomaten mit Cremepolenta (auch wenn das letzte Rezept in der Kategorie „Weiberabend“ zu finden ist).
So ist „die schnelle Küche“ ein gelungener Beitrag in der Kategorie der Kochbücher für schnell zuzubereitende Rezepte. Angesichts des Umfangs dieses Buches (rund 230 Seiten) und der Menge an Rezepten (222) ist der Preis voll und ganz angemessen.
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