Das große Buch der Tomaten: Warenkunde & Rezepte von Sprecher, Andres
Buchvorstellung und Rezension
Erschienen 2010 bei Fona Verlag AG , 200 Seiten. ISBN 978-3037804162.
In Kürze:
Die Tomate, auch Paradeiser, Liebesapfel, Paradiesapfel oder Goldapfel genannt, stammt ursprünglich aus den peruanischen Anden und hat eine lange Tradition: die Azteken nannten sie »tomatle«, was soviel wie Schwellfrucht bedeutet. Botanisch stammt sie aus der Familie der Nachtschattengewächse, der Solanaceae. Die Vielzahl ihrer Farben und Formen ist überwältigend: es gibt sie in rot, gelb, weiß, grün, violett, orange und sogar schwarz. Dass sie zudem gesund ist, belegen zahlreiche wissenschaftlichen Untersuchungen zur Heilkraft des Lycopins, einem sekundären Pflanzenstoff, der für die kräftige rote Farbe verantwortlich ist und in der Krebsprävention und als natürliches Anti-Aging-Mittel eine wichtige Rolle spielt. Die ausgewählten Rezepte bringen den Wohlgeschmack der Tomate, ob roh, getrocknet oder gekocht, in ihren zahlreichen Varianten voll zur Geltung und machen Appetit auf mehr. Die Warenkunde gehört zum Ausführlichsten, was es derzeit auf dem deutschen Buchmarkt zur Tomate gibt.
Das meint Kochbuch-Couch.de: „Ein Buch, das versucht, alles zu sein – und es auch fast schafft.“
Kochbuch-Couch-Rezension von Chris Langmandel
Kochbücher, die sich speziell auf eine bestimmte Zutat beziehen, gibt es mittlerweile zu allen möglichen geheimen und weniger geheimen Stars der Küche. Auch zur Tomate sind bereits einige Bücher erschienen; Andreas Sprecher (der eine Sammlung von über 1.200 Tomatensorten besitzt) versucht sich dennoch daran, ein Standardwerk vorzulegen. Bereits der Titel verrät, dass es sich nicht um ein reines Kochbuch handelt, sondern um eine Darstellung der Tomate aus einer ganzen Reihe unterschiedlicher thematischer Perspektiven.
Zu Beginn des Buches erwartet den Leser ein Kapitel zu Botanik und Geschichte der Tomate. Die Tomate, fälschlicherweise gerne als Gemüse eingestuft und von intelligenten Menschen als Obst erkannt wird, ist beides nicht. Sie ist eine Gemüsefrucht. Der Autor führt genau aus, wie Blätter, Blüten, Frucht etc. aussehen, welche Merkmale hervorzuheben sind und wie sich bestimmte Arten grob unterscheiden können. Die Chimäre des Gartens ist also weit mehr als ein rundes rotes Gemüse. Mir persönlich kamen der Teil zur Botanik sowie der historische Hintergrund zur Tomate, die es im Zuge der Entdeckung der „Neuen Welt“ zuerst als Zierpflanze nach Europa schaffte, etwas zu ´trocken´ daher.
Sprecher fährt fort, indem er (aufbereitet in Tabellen) die Systematik, Inhaltsstoffe und Vitalstoffe der Tomate vorstellt. Dem folgt die visuelle Präsentation verschiedener Tomatengruppen: Es sind fünf an der Zahl, und man muss sagen, dass die Qualität der Fotografien sehr gut ist. Doppelseitige Aufnahmen lassen das Eindruck entstehen, dass sich das Buch auch noch Meriten als Bildband erwerben will.
In der Tomaten-Wunderwelt geht es weiter mit Tabellen zu Pilzbefall, Schädlingen, Viren- und Bakterienbefall sowie zu Nährstoffproblemen. Hier wird dem Tomatengärtner also ein Fundus an Wissen an die Hand gegeben, der verhindern sollte, dass die nächste Tomatenernte in Gefahr gerät. Ein längerer Abschnitt des Buches befasst sich weiterhin mit der Heimat der Tomaten: Italien – dem dortigen Tomaten-Anbau und der Wertschätzung, die die Gemüsefrüchte dort genießen.
Sortenporträts …und dann auch noch ein paar Rezepte
Nach rund 70 Seiten beginnt das Kapitel zu Sortenporträts. Unterteilt in die bereits erwähnten Gruppen folgen nun mehr als einhundert Seiten mit ca. 200 Tomatensorten, jeweils mit Bild und ihren wichtigsten Merkmalen. Das ist als Nachschlagewerk natürlich toll, zum Lesen lädt es aber nur bedingt ein.
Erst auf Seite 191 stoßen wir auf die ersten Rezepte, und der Leser fragt sich natürlich längst, ob es sich wirklich um ein Kochbuch handelt. Diese Bedenken sind berechtigt, aber eines muss man den wenigen Rezepten dann aber zu Gute halten: Sie alle haben gemeinsam, dass die Tomate als Protagonistin fungiert. Ob Tomatenraita, weiße Tomatenbutter oder Tonno rosso – bei all diesen Gerichten ist die Tomate nicht Beilage oder Nebendarsteller, sondern es dreht sich wirklich um sie. Insofern bleibt man der Linie des Buches absolut treu.
Tomatenschock – gibt’s das?
Am Ende des Buches fühlte ich mich ein bisschen wie nach „Angriff der Killertomaten“ – überrollt von roten, grünen, gelben und orangefarbenen Gemüsefrüchten in allen erdenklichen Formen. Für Fans der sehr gesunden und leckeren Tomate ist dieses Buch sicherlich eine Offenbarung Es bietet ein Fülle von Wissen, das sich sonst kaum so kompakt finden lässt. Wer nur mal gerne ab und zu mit Tomaten kocht, wird sich in den vielen Details des Buches aber verloren fühlen. An Bindung, Papier und Fotografien gibt es nichts auszusetzen, und so muss am Ende die Begeisterung für Tomaten darüber entscheiden, ob sich dieses Buch für die eigene Sammlung lohnt oder nicht.
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