Roter Drache in Aspik: Das Fantasy-Kochbuch von Sascha Storz
Buchvorstellung und Rezension
Erschienen 2008 bei Bassermann Verlag , 80 Seiten. ISBN 978-3809422679.
In Kürze:
Sie wollten immer schon wissen, wie Halblinge ihr drittes Frühstück bereiten? Warum ein Magier ein unabdingbares Küchenutensil ist? Wie man einen erlegten Drachen kulinarisch zelebriert? 28 Rezepte aus fantastischen Welten warten in diesem Buch darauf, Sie zu verzaubern. Und jedes einzelne Gericht können Sie an Ihrem Herd zu Hause nachkochen. Satteln Sie die Pferde, heizen Sie den Ofen an und steigen Sie ein, in ein Küchen-Abenteuer der ganz besonderen Art mit dem ersten Kochbuch eines Hobbits.
Das meint Kochbuch-Couch.de: „Roter Drache in Aspik – vielleicht nicht DAS Fantasy-Kochbuch, wartet aber mit einer Reihe leckerer und fantasievoller Rezepte, sowie einer großartigen Gestaltung auf.“
Kochbuch-Couch-Rezension von Chris Langmandel
Zwerg und Magier stehen vor einer Schatztruhe voller Gold:
Magier: „Du kannst das ganze Gold haben, ich nehme nur das Zauberbuch da.“
Zwerg: „ Idiot.“
Magier: „Das nimmst du zurück, sonst verwandle ich dich mit Hilfe des Buches in eine Kröte…“
Zwerg: „Klar, nur blöd, dass das ein Kochbuch ist…“
Magier: „Ach verdammt….Lust auf Wolpertingerbraten?“
Zwerg: „ Na klar, war auch nicht böse gemeint eben.“
Was kann es Schöneres geben, als zwei Hobbybereiche zu vereinen? Dies dürfte sich auch Sascha Storz gefragt haben, als er das vorliegende Buch geschrieben hat. Da es sich dem Titel nach nicht um EIN, sondern um DAS Fantasy-Kochbuch handelt, darf der interessierte Leser auch mit einigem rechnen. Auf den insgesamt 80 Seiten des Buches warten rund 30 wunderschön bebilderte Rezepte auf den ambitionierten Fantasy-Koch.
Ein Blick in das Inhaltsverzeichnis verrät, dass es anscheinend drei verschiedene Gruppierungen von Essern in Sascha Storz’ Fantasiewelt gibt: „Zwerge, Barbaren und andere Allesfresser“, „Elfen, Prinzessinnen und andere zarte Geschöpfe“, sowie „Halblinge, Kinder und andere Schleckermäuler“; zu diesen drei Gruppen und ihren dazugehörigen Kapiteln gesellt sich noch ein viertes mit der Überschrift „Gerichte für den kleinen Hunger unterwegs“.
Am Beginn eines jeden Kapitels erwartet den hungrigen Leser ein kleiner einleitender Text zu den in der Überschrift bereits angesprochenen Essern. So erfährt man z.B., dass es besser ist, den Barbaren beim Essen nicht länger als nötig warten zu lassen; insbesondere dann nicht, wenn es den ganzen Tag über nur zwei Scharmützel gab, die seine Laune hätten aufbessern können. Texte dieser Art erwarten den Leser auch unter jeder Rezeptanleitung; der abenteuerlustige Koch erfährt hier Wissenswertes über die Herkunft des Rezeptes und seine Zutaten. Diese Texte erinnern stellenweise zwar eher an Grimms Märchen als an Tolkiens 'Herr der Ringe'; nichtsdestotrotz fügen sie sich gut ins Gesamtkonzept des Buches ein.
Zwerg und Barbar kehren von einem langen Tag des Kämpfens aus den Trollhöhlen zum Lagerfeuer zurück, wo der Elf auf sie wartet:
Zwerg: „Bei den Göttern ich kann nicht mehr, ich würde jetzt wirklich alles essen!“
Barbar: „Und ich erst; ich bin auch völlig erschöpft, mal sehen was es Gutes gibt.“
Elf: „Hallo Freunde, ich habe euch einen schönen Blättersud gekocht.“
Zwerg: „Ach verdammt, ich hab meine Axt in den Höhlen vergessen.“
Barbar: „Oh ja und ich meine Keule, wir müssen auf jeden Fall zurück, tut mir echt Leid, dass wir deinen Sud nicht genießen können…“
Die Rezepte selbst, die mitunter ganz abenteuerlich etwa „Junger Riesenkrake nach Ogerart“ oder „Dickbauches Knurkselblampsch-Pfanne“ heißen – sagen sie Zweiteres mal zu ihrem Partner, wenn er nach dem Essen fragt – tragen zur Stimmung des Buches bei, sind kleinschrittig und gut erklärt. Leider erfordern viele der Rezepte eine gut gefüllte Vorratskammer und insbesondere für den Kochneuling geradezu exotisch anmutende Zutaten wie Fasane, Ochsenbrust oder Stallhasen. Dennoch machen die Rezepte einen stimmigen und interessanten, wenn auch nicht ganz einfachen Eindruck. Ein Nachteil der Rezeptzusammenstellung ist einzig der sehr geringe Anteil fleischloser Rezepte. Dies ist aber wohl auch der Tatsache geschuldet, dass man sich den Keulen schwingenden Barbar nach einem langen Arbeitstag in irgendeiner Orkhöhle kaum mit einer großen Schüssel Rohkost am Lagerfeuer vorstellen kann oder will.
Ich für meinen Teil habe mich an das „Immerfischrezept“ gewagt, das seinen Namen aus der Tatsache bezieht, dass es mit wirklich jedem Fisch zuzubereiten ist, und muss sagen, dass es nicht sonderlich schwer war und wirklich gut geschmeckt hat.
Elf und Barbar sitzen am Lagerfeuer:
Elf: „Alles voller Stereotype hier.“
Barbar: „Mir doch egal, wie viele das sind, ich hau sie alle platt!“
Das Hauptproblem des Buches ist, dass es sich nicht recht entscheiden will, an wen es adressiert ist. Manchmal schleicht sich das Buch Richtung Tolkiens Mittelerde (Halblinge, Baumhirten), anderenorts geht es in die bereits erwähnte Märchenrichtung (Vogel Rock), dann wieder scheinen die Einflüsse diverser Rollenspiele eingeflossen zu sein – ich zumindest fühlte mich an vielen Stellen an 'Das Schwarze Auge’ erinnert. Dazu kommt der im Fantasybereich leider sehr häufig stattfindende Einsatz von Stereotypen: Elfen essen wenig, Menschen etwas mehr, Zwerge und Barbaren viel, Halblinge sehr viel und so weiter. Das ist gerade für den Fantasyveteranen vielleicht etwas zu viel des Guten, macht es anderen aber einfacher, sich in diese Welt hineinzudenken. Als weitere Hilfe steht für den thematisch unerfahrenen Leser am Ende des Buches sogar noch ein Glossar bereit, das die wichtigsten, möglicherweise unbekannten Begriffe von 'Barbar’ bis 'Zwerg’ erläutert.
Abschließend kann gesagt werden, dass „Roter Drache in Aspik“ vielleicht nicht DAS Fantasy-Kochbuch ist, aber mit einer Reihe leckerer und fantasievoller Rezepte sowie einer großartigen Gestaltung aufwartet. Wirft man dazu einen Blick auf den unverschämt niedrigen Preis, kann man hier ruhigen Gewissens zuschlagen – also nicht mit der Keule, sondern …ach sie wissen schon.
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| Gabriele Langmandel zu »Sascha Storz: Roter Drache in Aspik: Das Fantasy-Kochbuch« | 16.06.2009 |
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