Kochen! Das Goldene von GU: Rezepte zum Glänzen und Genießen von GU
Buchvorstellung und Rezension
Erschienen 2009 bei Gräfe & Unzer , 672 Seiten. ISBN 978-3833815768.
In Kürze:
Tagtägliche Kochprobleme: Heute Heißhunger auf Vegetarisch, morgen sind Gäste angesagt und übermorgen muss es ratzfatz gehen. Bislang hieß die Lösung: Mindestens fünf Kochbücher aus dem Regal holen und suchen, suchen, suchen. Doch die Zeiten des mühsamen Blätterns und Rezeptregister-Studierens sind nun vorbei, denn ab sofort gibt es Kochen! Das Goldene von GU! Mit über 700 Rezepten von heiß geliebten Klassikern bis modernen Kreationen für absolut jeden Anlass und, das ist der Clou, einem Rezept-Quickfinder gleich zu Beginn! Damit finden Sie Ihr Rezept schnell und bequem, für garantiert jede Kochlust, Esslaune und Hungersituation! Das Beste: Sie sparen nicht nur wertvolle (Such-)Zeit, sondern auch bares Geld, denn das 672-Seiten-Rundum-Sorglos-Paket kostet gerade mal 25 Euro! Darum: Kochen! Das Goldene von GU – mehr Kochbuch braucht es nicht!
Das meint Kochbuch-Couch.de: „Ein Dschungel voller Lichtungen“
Kochbuch-Couch-Rezension von Chris Langmandel
Das gedopte Necronomicon von Rhodos zieht in die Küche ein!
Wir mussten also bis zum Jahr 2009 warten, damit uns der Verlag Gräfe & Unzer mit etwas bedenkt, das – gelinde gesagt – das Potenzial hat, der Koloss von Rhodos unter den Kochbüchern zu sein. Was Anhängern H.P. Lovecrafts das Necronomicon ist, muss seit kurzem das „Goldene“ von GU für jeden Hobbykoch sein.
Die goldene Farbe ist nicht ohne Grund gewählt, denn der erste Blick auf das Buch enthüllt: Noch dickere Bücher müssen gedopt sein. Des Weiteren statuiert die Farbe auch ganz klar den Anspruch des Buches: Es soll aufs Siegerpodest gehen und dort dann bitte auch auf den ersten Platz. Hier wird weder gekleckert noch geklotzt, hier wird der Todesstern unter den Kochbüchern aufgefahren und so überrascht es kaum noch, dass der Klappentext „über 700 Rezepthighlights von klassisch bis modern“ verspricht – soweit muss man erst einmal zählen können.
Das erste Aufschlagen und Durchblättern der vorderen Seiten lässt den geneigten Leser das ganze Ausmaß der Gigantomanie erkennen: Rezepte gibt es erst ab Seite 68, alles davor dient als Refugium für den Quickfinder. Quickfinder? In den Ohren von Mac-Usern klingt alles, wo „Finder“ drin vorkommt ja per se schon als sinnvoll, und tatsächlich ist auch der von GU integrierte Helfer eine zweckmäßige und geradezu überlebenswichtige Hilfe im Babylon der Kochbücher. Der (Quick-)Finder, der aus einer listenartigen Aneinanderreihung ausgewählter Rezepte des Buches besteht – nicht einmal hier finden alle 700 Rezepte Platz – sortiert diese jeweils sinnvoll nach Gängen (z.B. Vorspeisen), Zutaten (z.B. Fleischgerichte) und anderen Kriterien (z.B. Für Gäste). Im Quickfinder findet der möglicherweise bereits etwas überforderte Hobbykoch Informationen zu den wichtigsten Zutaten, dem Zeitaufwand, einigen Tipps zum Rezept und – und das ist das Wichtigste: zu der Seite, auf der das Rezept zu finden ist!
Hinein ins Geschehen – ein Dschungel voller Lichtungen.
Hat man sich unbeeindruckt von den Ausmaßen des Buches zu einem Rezept durchgeschlagen, stellt man hier erleichtert fest, dass die Rezepte extrem simpel und gut erklärt sind. Auf den ersten Blick fallen direkt zwei sehr positive Aspekte auf – alle Rezepte sind bebildert und bieten eine Kalorienangabe, außerdem geben sie auch Auskunft über den Zeitrahmen, den man für ein bestimmtes Rezept einplanen sollte.
Zur Auswahl der Rezepte kann nur gesagt werden: Kritik unmöglich. Immerhin wurde ja wohl jedes Rezept, das man im Abendland kennt, in dieses Buch aufgenommen – mehr noch: Sogar weniger gängige asiatische und mittelamerikanische Kochanleitungen sind hier zu finden. Schaut man sich die einzelnen Kapitel an, so sind diese nach ihren Hauptzutaten unterteilt, was insbesondere für Vegetarier sinnvoll ist, da diese sich so das Lesen von rund 150 Seiten ersparen können. Um es auf den Punkt zu bringen: Der Koch, der hier nichts findet, sollte die Mütze wieder abgeben und zum Convenient-Lager wechseln. Das Buch ist voll von abwechslungsreichen Rezepten, Tipps & Tricks zum Umgang mit bestimmten Speisen und Anregungen, wie bereits bestehende Rezepte noch verbessert werden können.
Sucht man etwas ganz Bestimmtes, gibt es am Ende des Buches den vielleicht nützlichsten Helfer: das Register. Sortiert nach Zutaten finden sich hier alle Rezepte, in denen diese vorkommen. Wer also große Lust auf Kapern hat, schlägt unter eben diesem Begriff nach und findet einige Rezepte, in denen Kapern vorkommen.
Zur Qualität der Rezepte kann gesagt werden, dass die wenigen aus dem Riesenangebot, die ich zur Probe gekocht habe, sehr schmackhaft und dazu ohne größere Probleme zuzubereiten waren.
Theseus mit GPS und Kompass
Dieses Buch ist ein Labyrinth, benutzt man aber die freundlicherweise mitgelieferten Helfer Quickfinder und Register, so zeigt sich, dass man hier gar nicht aufgeschmissen sein muss und es mit ein bisschen Glück Minotaurensteak à la Theseus zum Abendessen gibt – ich bin mir ganz sicher, dass auch dazu irgendwo ein Rezept im Buch versteckt ist. Der Preis von 25 Euro ist mehr als günstig für das, was man bekommt, und so kann ich nicht umhin, dieses Buch ohne wenn und aber zu empfehlen. Aufgrund seines ernormen Umfangs und Angebots ist es für Anfänger, Fortgeschrittene, Vegetarier, Fleischesser, Fischfreunde und alle anderen sehr empfehlenswert.
Und sollten sie dennoch mit dem Buch unzufrieden sein, rate ich strikt von einem Verkauf oder Umtausch ab, denn es leistet auch sicher noch als Hantel gute Dienste.
Ihre Meinung zu »GU: Kochen! Das Goldene von GU: Rezepte zum Glänzen und Genießen«
Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Kochbuchb schreiben und das Kochbuch mit einem Klick auf die Chili-Schoten bewerten.


