Zu Gast in Highclere Castle von Fiona Countess of Carnarvon

Buchvorstellung und Rezension

Erschienen 2017 bei Callwey , 288 Seiten. ISBN 978-3766722928.

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Kochbuch-Couch-Rezension von André Schmechta

Jeder Fan der berühmten britischen TV-Serie „Downton-Abbey“ aus der Feder von Julian Fellowes wird dem Zauber des Buches „Zu Gast in Highclere Castle“ unmittelbar erliegen. Tiefe sehnsuchtsvolle Seufzer dürften das Blättern durch die beinahe 300 Seiten begleiten. Unweigerlich gerät man beim Anblick der traumhaft schönen Bilder rund um das wunderschöne und prachtvolle Schloss ins Schwelgen, Erinnerungen an Ereignisse aus der Serie werden geweckt. 

Niemand Geringeres, als die Hausherrin – Fiona Carnarvon, 8th Countess of Caranrvon, verheiratet mit dem 8. Earl of Carnarvon, dessen Familie bereits seit 1679 auf Highclere Castle lebt – erzählt von Herrschaften und Dienerschaften, von bedeutenden Wochenendgesellschaften und natürlich von den jährlichen Dreharbeiten zur Fernsehserie „Downton Abbey“ auf Highclere Castle, bevor diese mit der Ausstrahlung der 6. Staffel endete. 

Fiona Carnarvon führt uns durch die beeindruckenden Räumlichkeiten des Schlosses – von Empfangszimmer bis Speisesaal – und in einzelnen Portraits lernen wir Personal kennen, wie z.B. den Imker, den Leiter des Sicherheitsdienstes oder die Hauswirtschaftsleiterin. Gesellschaftliche und politische Zusammenhänge, zahlreiche Anekdoten zu Gästen, Bewohnern, dem Umfeld des Schlosses und natürlich die viele Arbeit und Organisation als Gastgeber finden Platz in den unterhaltsamen Geschichten. Sie vermitteln einen authentischen Eindruck von Alltag, Tradition und Moderne auf Highclere Castle, nicht zuletzt durch ergänzendes Bildmaterial z.B. von Notizen, Einladungs- und Menükarten oder Bauplänen. 

„Letztendlich geht es sowohl in Downton Abbey, als auch auf Highclere um eine Familie. Es ist ein Haus, in dem wir alle leben und arbeiten, in der Fiktion wie in der Realität. Es ist romantisch, nostalgisch, hat großartige Traditionen und sympathische Bewohner, und viele Leute fühlen sich angesprochen, weil es immer um die Höhen und Tiefen des Familienlebens geht. Highclere macht Geschichte sichtbar, mit Menschen, die hier seit 1300 Jahren leben.“

Aber als Gast auf Highclere Castle wurde natürlich auch gespeist und so wollen wir vor allem einen Blick auf die kulinarischen Seiten des Buches werfen.  Die Rezepte „Aus der Schlossküche“ sind in folgende Kapitel unterteilt: „Frühstück“, „Fisch & Meeresfrüchte“, „Fleisch, Wild & Geflügel“, „Gemüse, Suppen und Herzhaftes“, „Nachmittagstee“ und „Süsses“. 

Beim ersten Überfliegen der gut 100 Rezepte mag vor allem der Gelegenheitskoch etwas verunsichert sein. Der zu erwartende Schwierigkeitsgrad scheint hoch, die Zutatenliste und Zubereitungshinweise umfangreicher. Die Gesamtzubereitungszeit ist nicht sofort ersichtlich, Beilagen werden am Ende der Zubereitungshinweise erwähnt. Doch wer sich etwas näher mit den Rezepten beschäftigt wird schnell erkennen, dass viele der Gerichte gar nicht so kompliziert sind und der längere Text den etwas detaillierteren aber immer verständlichen und hilfreichen Ausführungen zu verdanken ist. Zudem steht dem Rezept häufig noch eine kleine Anekdote voran, die das Rezept in die Geschichte von Highclere Castle einbettet. Aber etwas mehr Zeit sollte immer eingeplant werden, für die schnelle „Zwischendurch-Küche“ ist „Zu Gast in Highclere Castle“ ganz sicher nicht geeignet. Aber die Geduld zahlt sich aus und wir werden mit hervorragenden Geschmackserlebnissen und Gaumenfreuden belohnt.

Ich habe meinen Praxistest mit dem „Treiber-Schmortopf“ begonnen und damit gleich ein neues Lieblingsrezept mit Hackfleisch entdeckt. Diese Soße – wird zu Kartoffeln und Kohlgemüse (ich habe Spitzkohl gewählt) gereicht – ist einfach unglaublich schmackhaft. Mehrere Stunden sanft gegart entwickelt sich ein intensiver und zarter Geschmack – einfach fantastisch und ein Volltreffer gerade in der kalten Jahreszeit! Ebenso empfehlenswert – vor allem für Freunde der indischen Küche – ist das mild würzige „Offizielle Highclere-Hühnercurry“.

Wer eine raffinierte Idee zum Sonntags-Frühstück sucht, sollte es mal mit „Eier Hollandaise Highclere Castle“ versuchen. Toasties, Schinken, Spinat, pochiertes Ei und als Topping Sauce Hollandaise benötigen zwar etwas Zeit, sind dafür aber nicht nur ein toller Hingucker sondern auch sehr lecker. Das „Kedgeree mit geräuchertem Schellfisch“ mit Reis und Ei ist da schon deutlich reichhaltiger und ein etwas speziellerer Start in den Tag. 

Dem Anfänger und Profi bietet sich eine tolle Rezeptvielfalt und Variation, von kleinen kulinarischen Kunstwerken – wie „Gebackene Parmesankörbchen“, „Schottische Eier nach Art von Highclere“ und „pochierter ganzer Lachs“  – bis zu rustikaler, einfacher Küche – wie „Brunnenkressesuppe mit Muskat“ oder „Schweinerollbraten mit Zwiebeln“. Auch das schottische Nationalgericht „Haggis“ ist enthalten, wenngleich es für Fiona Carnarvon nur „fast“ ein solches ist, da der Name „hagese“ erstmals 1430 in England auftauchte& 

Für einen Hauch Glamour und Luxus sorgt der „Champagner-Cocktail“. Dieser wird mit Champagner, Angostura (einem Bitter), Weinbrand und einem Zuckerwürfel zubereitet und mit Orangenscheibe und Cocktailkirsche serviert. Bei „Lord Carnarvons beschwipster Brombeerpudding“ machen 300ml guter Whisky den Unterschied. „Hummer Thermidor“ wird mit einer raffinierten Weißwein-Senf-Sauce und Parmesan serviert.

Fazit:

Sie kochen gerne und sind Fan von Downton Abbey? Dann führt an „Zu Gast in Highclere Castle“ eigentlich kein Weg vorbei. Wer sich für traditionsreiche Häuser und ihre Geschichten begeistern kann und zudem authentische, raffinierte und stilvolle Rezept-Ideen als Gastgeber sucht, der wird mit dem hochwertigen Buch ganz sicher seine Freude haben. Nur auf eines werden wir stets verzichten müssen: das faszinierende Flair und die beeindruckende Kulisse von Highclere Castle. 

Tipp: Highclere Castle öffnet sich Besuchern regelmäßig zu speziellen Veranstaltungen. Schauen Sie doch einfach mal auf der Internetseite vorbei: www.highclerecastle.co.uk

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